Manchmal frage ich mich, was ich mir eigentlich die ganze Zeit vormache.
Es gibt Tage, an denen esse ich Kuchen oder ein Croissant mit Nutella oder Pizza. Schreibe davon, bin stolz auf mich, doch im nächsten Moment spare ich ein, um diese Sünden wett zu machen.
Und dann immer wieder diese Gegensätze, diese Widersprüche.
Vor Familie und Freunden so tun, als wär nichts.
Mir geht es doch gut, ich war doch in der Klinik, ich bin doch geheilt, ihr müsst euch keine Sorgen machen. Ich esse doch. Ich habe doch zugenommen.
Aber in Wirklichkeit habe ich nur Angst, mich so zu zeigen, wie ich wirklich bin. Natürlich bin ich noch nicht geheilt, und natürlich existiert mein altes Problem noch. Will nicht, dass andere sich Sorgen machen, will nicht zur Last fallen.
Ich esse wieder. Und ich esse wirklich um einiges mehr, als vor meinem Klinikaufenthalt. Aber mein Gewicht sinkt trotzdem noch ganz langsam vor sich hin. Das blöde ist, dass die Leute denken, Magersüchtige essen gar nichts. Das ist falsch. Man kann sogar einiges essen, und dabei trotzdem noch abnehmen. Man muss nur wissen, wie. Aber genau das macht es so schwer, vor anderen zu essen. Denn wenn sie sehen, dass du isst, könnten sie ja denken, dass du gesund bist.
Ich weiß eigentlich genau, wie viel ich essen muss, um zu- oder abzunehmen, oder um mein Gewicht zu halten. Kontrollzwang.
Und obwohl ich allen die heile Welt vorspiele, warte ich doch immer noch darauf, dass jemand kommt, der mich durchschaut. Doch wenn ich mich nicht öffne, dann wird das nicht passieren.
Ständig kreisen meine Gedanken darum, ob man mir noch ansieht, dass ich magersüchtig bin, oder ob jetzt nach der Klinik alle von mir erwarten, dass ich geheilt bin.
Sind meine Schlüsselknochen noch gut genug sichtbar? Sieht man meine Wirbelsäule, wenn ich mich Bücke? Spürt man meine Hüftknochen, wenn man mich umarmt?
Irgendwie ist mir das so verdammt wichtig, dass man es mir noch ansieht, obwohl sich sicher kein anderer Mensch Gedanken darum macht, obwohl kein anderer Mensch auf die Straße geht und nur nach der nächsten Magersüchtigen Ausschau hält, obwohl ich selber vor Freunden und Verwandten nicht preisgeben kann, dass ich noch krank bin. Alles widerspricht sich.
Und dann nehme ich mir immer vor, zuzunehmen, und nehme trotzdem ab. Nehme mir vor, was zu ändern und mehr zu essen, aber halte meine Essensregeln weiterhin ein. Das Problem ist, wenn ich nichts ändere, ändert sich auch nichts an meinem sinkenden Gewichtsverlauf.
Und dann gucke ich in den Spiegel und den einen Tag finde ich mich zu dünn, da denke ich, man, siehst du scheiße aus. Kindlich, überhaupt nicht fraulich, nicht erwachsen, nicht wie 18. Armselig. Abgemagert.
Und an einem anderen Tag werde ich mir selbst zur härtesten Kritikerin: Verdammt, deine Oberschenkel könnten noch dünner sein! Oh, und wenn du deine Arme an dich randrückst, dann sehen sie von der Seite zu dick aus!
Dann gehe ich durch einen Klamottenladen, meine Gedanken ganz von Magersuchtsthemen beherrscht, meine Augen pausenlos auf der Suche nach magersüchtigen Beinen, nach Mädchen, die dünner sind als ich. Konkurrenz-Kampf.
Und im nächsten Moment kämpfe ich mit den Tränen. Merke, wie ich wegen mir selbst den Sinn meines Lebens verloren habe. Mir wird bewusst, dass ich nur noch für das eine lebe. Für die Magersucht. Ich kann mich nicht mehr für etwas anderes begeistern. Auch das Shoppen fällt mir schwer, was mir damals so viel Freude bereitet hat.
Und dann lese ich Blogs von anderen Mädchen die auch gegen die Krankheit kämpfen, die ich mir zum Vorbild nehme. Mädchen, die mir bewusst machen, dass dieses Magersuchts-Leben auf Dauer nicht erfüllt, nicht glücklich macht, sondern zerstört und tötet. Dass man es aufgeben muss, um wieder lebendig zu werden. Dann bin ich kurz bereit für den Kampf und hochmotiviert. Dann wird mir bewusst, dass ich nur was ändern kann, wenn ich dafür auch esse. Kurz denke ich daran, mir ein Stück Schokolade oder etwas ähnliches zu holen und manchmal kann ich diese Gedanken auch umsetzen.
Im Moment ist es so, dass ich für mich die Entscheidung getroffen habe, dass es jetzt so weit ist, den Kampf zu gewinnen. Dieses Mal will ich durchhalten, will stark bleiben. Was nützt es mir, wenn ich in 5, vielleicht in 10 Jahren gesund werde? Dann werde ich denken, na toll, zu dieser Entscheidung hättest du auch ein paar Jahre eher kommen können, dann hättest du nicht so viel Zeit deines wertollen Lebens vergeudet.
Und genau deswegen muss ich jetzt damit anfangen, nicht morgen und nicht nächste Woche. Jetzt!
Klar wird das schwer. Niemand hat jemals etwas anderes behauptet. Ich habe Angst, denn um zu siegen muss ich etwas aufgeben, was mir monatelang vertraut war und mir Sicherheit gegeben hat. Die Essstörung, in der ich mich auskannte. Das Fach, in dem ich Meister war.
Wenn ich die Magersucht loslasse, was bleibt dann von mir?
Wer bin ich dann?
Die Frage nach dem Ich.
Aber was zweifele ich noch. Wenn ich es nicht ausprobiere, werde ich es nie herausfinden können.
Ich will wieder die Person sein, die ich vor dieser ganzen Scheiße war. Das Mädchen, das ich vor 2 Jahren war. Gesund, Glücklich, Fit, Lebensfroh. Ich will meinen Humor zurück, meine Kreativität, mein Lächeln.
Noch fehlt mir häufig die Kraft, um die Tage bis spät in die Nacht durchzuhalten, um über Witze zu lachen. Keine Energie für humorvolle Sprüche, es fehlt an Konzentration. Zu schwach für zu viel Sport. Kreislaufprobleme. Kalte Hände und Füße trotz Frühling und Wärmflasche. Durchblutungsstörungen.
Müdigkeit und Schwäche schon am Vormittag. Zu tiefer Puls und Blutdruck. Menstruationsausfall seit über 14 Monaten. Unfruchtbarkeit.
Und das soll der Sinn meines Lebens sein?
Nein, danke! Damit muss jetzt endgültig Schluss sein!
Verdammt, ich könnte jetzt in einer Disco sein, könnte Cocktails trinken und vergnügt mit Freunden auf der Tanzfläche hüpfen. Könnte einen Freund haben, der mit Liebe schenkt. Könnte längst meinen Führerschein haben, einen Ausbildungsplatz... Würde ich nur ausreichend Energie für das Leben übrig haben! Stattdessen sitze ich seit über 3 Stunden am PC und lese Blogs von Magersüchtigen, schreibe selber Posts über Magersucht, denke eine Viertelstunde über 2 Stücken Schokolade nach, bevor ich sie tatsächlich esse.
Scheiße, mein Leben könnte so viel besser sein! Ich bin doch intelligent. Ich weiß doch, was ich tun muss, um was zu ändern! Was, verdammt noch mal, hindert mich noch daran?
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Vielleicht übertreibe ich ein wenig in meinem Post. Vielleicht wollte ich damit auf den Ernst, auf die Gefahren dieser Krankheit aufmerksam machen. Wachrütteln.
Ich kann euch auf jeden Fall berichten, dass es seit meinem letzten Post wieder bergauf in meinem Leben geht.
Ich versuche jeden Tag, auf mein Gefühl zu vertrauen und das zu essen, worauf ich Lust habe und es dann zu essen, wenn ich Hunger habe, und nicht, wenn die richtige Uhrzeit dafür ist.
Ich versuche, so gut es halt geht, meine Gedanken beim Essen abzustellen, versuche, nicht die Kalorien zu berechnen. Ich schreibe mir nicht mehr vor, wie viel ich zu welcher Mahlzeit essen darf und versuche, nicht mehr alles zu planen.
Es klappt bis jetzt ganz gut und auf einmal stört es mich auch nicht mehr so sehr, wenn ich mal mehr esse als sonst. Dann genieße ich einfach die Freiheit, die ich mir endlich wieder geben. Genieße es, mal wieder meinen Lieblingskuchen zu essen, vielleicht sogar 2 Stücken davon, auch wenn noch so viel Margarine im Teig ist. Was macht das schon aus? Ist ein schönes Leben nicht viel wichtiger, als der Fettanteil eines Kuchenstücks?

oh mein gott, dieser post hätte von mir geschrieben sein können. was mir vor allem immer bei mir auffällt ist, dass ich keine energie habe, um mich mit anderen leuten zu beschäftigen. ich finde es so anstrengend, mich mit anderen zu unterhalten, zu lachen usw. ich vergleiche immer nur was sie essen mit dem was ich esse und wenn ich mehr esse breche ich emotional zusammen.
AntwortenLöschenhast du eig eine emailadresse?
ich wünsche dir so, so viel kraft und ich wollte danke dafür sagen, wie inspirierend du bist
Ich wünsch dir weiterhin ganz viel Kraft ♥
AntwortenLöschenDenn was du momentan durchmachst, wie ehrlich du auch zu dir selbst bist.. da kannst du verdammt stolz drauf sein! :)
ich heule gerade so.
AntwortenLöschenoh mein gott, du weißt nicht wie du mir aus der seele sprichst. "Dass man es aufgeben muss, um wieder lebendig zu werden" - deswegen heißt mein blog let it go. aber im moment rutsche ich wieder wieter rein udn ich würde doch so gerne ich selbst sein. dieses lebendige, lebensfrohe wesen von vorher.
aber das gibt es nicht. es gibt nur meine essstörung und mich.
und dieses loslassen fiel mir schon vor 2 jahren in der klinik schwer. man sagte mir, ich würde eine chronische Es entwickeln, wenn ich nict loslasse, ich würde karriere in irgendwelche kliniken machen.
und was ist jetzt? ich klebe mehr an meiner ES, denn je.
ich würde doch so gerne mit meinen freunden eis essen gehen.. oder so.
aber ich kann einafch nicht loslassen. ich weiß nicht wieso, ich weiß nicht was mir die krankheit gibt. es ist, wie du schon sagtest, die suche nach dem ich. die frage "wer bin ich?". ich bin nicht die krankheit, du auch nciht.
ich glaube ganz ganz ganz fest daran, dass du es schaffen wirst. und ich irgendwann auch. wir werden ein unbeschwertes leben führen, denn irgendwann werden wir es doch schaffen müssen, der ES die wichtigkeit zu nehmen, die wir ihr zuschreiben..
bleib stark, du schaffst alles! ♥
Die Schulsozialarbeiterin hat mich in die Notaufnahme gebracht , und da ist rausgekommen dass ich am Wochenende an einem Herzstillstand gestorben wäre ..
AntwortenLöschenich hoffe bei dir ist alles gut <3
Mir kamen auch die Tränen. Ich habe zwar keine Esstörung aber durch deine Posts ist mir immer wieder bewusst geworden bzw konnte ich mich immer besser einfühlen in jemanden der Magersucht hat. Ich finde diese Krankheit so unsagbar traurig und so furchtbar ungerecht. Niemand hat sie verdient!
AntwortenLöschenIch hoffe so so so sehr das du da rauskommst und wieder gesund wirst, anfängst das Leben in vollen Zügen zu genießen. Das ist schwer, ich weiß das, ich habe zwar keine Magersucht aber Depressionen die einen immer wieder an die Grenzen bringen.
Aber ich glaube das du das schaffst! Trotzdem würde ich mit jemanden in deinem Umfeld darüber mal reden. Mit deiner besten Freundin oder deiner Mutter, weil alles für sich zu behalten ist auf Dauer nicht gut!
Alles Liebe :) <3
Achja und gib niemals auf :) Hier ist ein gutes Beispiel das man nicht aufgeben sollte, obwohl das mit Magersucht gar nichts zu tun hat!
Löschenhttp://www.youtube.com/watch?v=qX9FSZJu448
Der beste Satz daraus ist: Nur weil ich es heute nicht schaffe, heißt es noch lange nicht das ich es nie schaffen werde!
Jede Zeile hätte von mir sein können. Wie Brooklyn geschrieben hat, habe auch ich beim Lesen gedacht "Ja, genau, die Frage nach dem Ich...". Deshalb tritt es wohl auch so oft in der Pubertät auf, wenn man grade auf dem unsicheren Weg ist, das Ich zu entwickeln.
AntwortenLöschenDu hast den Willen! Je öfter jetzt diese Momente kommen, in denen du NICHT 15 min. über ein Stückchen Schokolade nachdenkst und du dich NICHT zu schwabbelig fühlst, sind nur wieder näher dran an deinem Sieg.
Vielleicht hast du ja eine Idee, wie du an dem "genug-essen" dranbleiben kannst? Z.B. morgens sagen "Ich esse heute mind. 2200kcal!" und abends gucken, ob du es auch getan hast. Je öfter du in der Woche das geschafft hast, desto besser. Na ja, aber lass wohl lieber das Kalorienzählen... Aber womöglich hast du eine andere Idee?
Vielleicht gibt dir das mehr motivation gesund zu werden. Mir hat es geholfen. :)
AntwortenLöschenhttp://work-for-it.tumblr.com/
Du übertreibst kein bisschen. Und ich hoffe wirklich, dass du da ganz rauskommst, dass du wieder so leben kannst, wie du es früher getan hast. Unbeschwert. Glücklich. Ich wünsch dir alles, alles Gute!
AntwortenLöschenDieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenIch kann mir gut vorstellen, dass du dich in meinen posts wiederfindest, mir geht es umgekehrt genauso. ich lese deinen blog schon fast von anfang an, als es noch soonthinly war und zu dem zeitpunkt war ich schon magersüchtig und dachte: oh nein, da wird auch gerade jemand opfer dieser essstörung. aber ich finde, du hast eine starke entwicklung hinter dir und ich bin mir sicher, du wirst das schaffen. der wille ist da und alleine der zählt! ich wünsche dir das beste für die zukunft und hör niemals auf zu kämpfen! <3
AntwortenLöschenhi,
AntwortenLöschenich bin vor kurzem auf deinen blog gestoßen - ich finde es echt toll wie ehrlich du zu dir selbst bist, und dass du so mutig immer weiter kämpfst!
ich hatte auch ms als jugendliche und die letzten 6 jahre waren ein einziger kampf mit mir und meinem körper - hatte essattacken und mache jetzt wegen bulimie eine ambulante therapie. dick bin ich nicht wirklich (sagen alle) aber ich will ein paar kilo loswerden und ich hoffe bloß ich kann das dann rechtzeitig stoppen.
ich verstehe das was du beschreibst ganz gut denk ich und hoffe dass du die krankheit schnell wieder loswirst und ncith so wie ich jahrelang damit leben/kämpfen musst!
achja habe gestern die scones von deiner rezeptseite gebacken - sind nicht so doll aufgegangen (sollten sie das?) ich habe sie mit vollkornmehl gemacht. aber richtig lecker sind sie geworden.
ich wünsche dir ganz viel kraft und mut!! du schaffst das!
jule x
hey, ich bin genauso... will meine magersucht auch loswerden ..
AntwortenLöschenstay strong
<3<3<3<3
amélie
Hey du,ich mache jetzt mal sowas wie einen sehnsuchtskommentar:
AntwortenLöschenAlso, mich fesseln deine Texte jedes Mal wieder, ich liebe es zu hören, wie es dir ergeht und bewundere dich dafür, was du alles erreicht hast - nebenbei: ich glaube es ist gan natürlich sich so viele Gedanken zu machen und auch normal, dass du manchmal zweifelst. Ich finde du übertreibst kein bisschen - du bist so eine Art Lichtblick für mich, so ein Hoffnungsschimmer, dass man es tatsächlich schaffen kann (halbwegs) aus der Krankheit zu entkommen und trotzdem einen schönen Körper und eine gesunde Lebesweise zu bewahren, irgendwie bist du für mich ein zeichen, dass es sich lohnt zu kämpfen und dass ein Gang in die Klinik nicht automatisch heißt, dass man wieder o dock wird wie früher und alles für was man gekämpft hat verliert, sondern dass man es mit ein bisschen Disziplin tatsächlich schaffen kann!
Du schreibst super anschaulich und ich kann vieles wirklich absolut nachvollziehen.
Wie ein Stalker hab ich glaube ich alle deine Posts gelesen und finde mich in deinen Gedankengängen oftmals wieder (auch wenn du dich natürlich in einem ganz anderen Stadium der Krankheit befindest)
Ich hoffe du postest bald wieder etwas, denn wie ein kleines Kind schau ich beinahe jeden tag auf deinem Blog vorbei und freu mich wie an Weihnachten, wenn du mal wieder etwas schreibst!
Sorry, dass ich dich so zutexte, ich will auch nicht aufdringlich oder so klingen, es ist nur vielleicht manchmal schön, wenn man auch zu hören bekommt, dass die Dinge, die man über sein leben schreibt Menschen wirklich beschäftigen und bewegen.
Okay, ich hör schon auf :D
Liebe Grüße:Hanna :*
Oh ja, das ist wirklich durchaus sehr schön, sowas zu hören, und es freut mich wirklich sehr - immer wieder - zu hören, dass andere meinen Blog so gerne lesen. Dann weiß ich, dass ich das hier nicht umsonst mache, dass ich damit vielleicht sogar was bewegen kann.
LöschenDanke also für deinen wirklich lieben Kommentar! :)
Erstmal muss ich nochmals sagen, dein Blog faziniert mich immer und immer wieder.
AntwortenLöschenIch finde du bist so stark, aber bitte mach das was du essen sollst, weil du bist stark und schaffst das auch ich weiß es.
Ich weiß auch dass es total schwer ist, soviel zu essen.
aber ich weiß dass du das schaffst ich glaube immer an dich!