Sonntag, 30. September 2012

Darf´s ein Stück Sahnekuchen sein?

Vorhin kam in mir ganz plötzlich eine alte Erinnerung hoch: Wie mich eine gute Freundin nach meinen ersten abgenommenen Kilos in der Schule fragte, wie ich das denn hinbekommen würde, so viel abzunehmen.
Ich antwortete, dass ich eigentlich ganz normal essen würde, bloß eben nach 15 Uhr nichts mehr.

Heute schüttele ich darüber nur noch den Kopf. Der Satz ist ja schon ein Widerspruch in sich, und eine Lüge dazu noch obendrein. Ich habe auch vor der Fastenzeit ab 15 Uhr nicht viel gegessen. 3 Knäckebrote vielleicht, und einen Apfel noch.

Ich weiß noch, wie ich mir den Kopf darüber zerbrochen habe, ob es denn überhaupt jemals wieder normal für mich seien wird, zwischen den richtigen Mahlzeiten etwas Zusätzliches zu essen.
Dieser Tag kam. Auf einmal machte ich mir darüber gar keine Gedanken mehr. Eine Kleinigkeit zwischen Frühstück und Mittag essen? Na, wieso denn nicht?
Dann überlegte ich mir, ob ich jemals wieder Chips aus der Tüte essen können werde. Einfach in die Tüte greifen, und nicht eine kleine Schale über die Größe der Portion bestimmen lassen.
Glaubt mir, inzwischen habe ich schon mehrere Chipstüten Abends halb leer werden lassen.
Das mit der Nascherei Abends vor dem Fernseher war auch lange Zeit ein heikles Thema. Darf ich mir nach dem Abendbrot mehr gönnen als eine kleine Schale Müsli oder ein kleines Stück Kuchen oder ein 4er-Stück von ner Tafel Schokolade?
Mittlerweile stellt sich diese Frage gar nicht mehr. Ich muss eher schon wieder damit anfangen, mich zu bremsen. Meine Eltern schauen mir Abends schon immer kopfschüttelnd hinterher, wenn mein Weg mich bereits zum viertel Mal in die Küche führt, um noch etwas Nachschub zu holen. Mein Speiseplan Abends reicht von Schokolebkuchen über Zimtkuchen vorbei an Spekulatiuskeksen, Knuspermüsli mit Milch und Stollen bis hin zu Tortilla-Chips.
Ganz ehrlich? Noch vor 3 Monaten hätte ich das nie, nie, nie für möglich gehalten. Wirklich nicht.
Mittlerweile ist es Alltag, denn ich habe gemerkt, dass mir dabei nichts passiert. Dass ich nicht aus allen Nähten platze. Dass ich davon nicht dicker werde. Und vor allem, dass es mir so viel besser geht.
Bitte denkt jetzt nicht, dass mein Speiseplan nur aus solch ungesunden Sachen besteht. Ich achte sehr auf eine gesunde Ernährung. Den ganzen Tag über esse ich hauptsächlich Vollkornprodukte, Obst und Gemüse. Und ich bin der Meinung, mir diese Naschereien am Abend dann durchaus genehmigen zu dürfen.

Heute war mal wieder so ein Ereignis, an dem ich wieder eine meiner Ängste überwunden habe. Ja, es gibt noch ein paar wenige Ausnahmen, vor denen ich noch die Bremse ziehe. Käse- und Sahnekuchen waren lange ein Thema, von dem ich nichts wissen wollte, nach dem ich einmal vor ca. 2 Jahren den Kalorien- und Fettgehalt eines Stückes Käsekuchen von Mamas Rezept ausgerechnet hatte. Heute war ich auf einem Geburtstag, auf dem es Kuchen mit einer ordentlichen Schicht Sahne obendrauf gab. Erst hatte ich Zweifel, den zu essen, aber dann habe ich alle anderen diesen Kuchen essen sehen und wurde plötzlich ganz neidisch und dann habe ich mir einfach gesagt: Wieso neidisch sein? Ich habe doch die Möglichkeit, mir auch ein Stück von diesem Kuchen zu nehmen! Und dann habe ich es einfach getan und, oh Wunder, ich lebe ja noch!

Ich habe eigentlich alles geschafft; ich habe wieder (- was für ein riesengroßes Glück! -) Schmalzkuchen gegessen (Oh Gott, in Fett gebacken!), mich an gefüllte Pizza getraut (so viel Käse!), Schokolade zwischendurch gegessen (gesättigte Fettsäuren!), und und und.
Das einzige, was mir noch ein paar Probleme bereitet, und das sage ich euch jetzt im Vertrauen, denn eigentlich schreibe ich in den letzten Posts nur noch von Dingen, die mir gelungen sind, das sind Getränke mit Kalorien. Ich sehe es nicht ein, mal eben 100 Kalorien mit einem Glas Saft in mich hineinzukippen, wenn ich dafür doch genau so gut auch etwas leckeres mit 100 Kalorien essen könnte. Dummer Gedanke eigentlich, ich könnte ja auch einfach beides tun, wäre dann bei 200 Kalorien und selbst das wäre kein Weltuntergang mehr. Aber irgendwie ist das noch so ein Punkt, an dem ich vielleicht ein bisschen arbeiten könnte. Schließlich eilt uns bald der Winter herbei und wie schön es ist, an einem verschneiten, stürmischen Wintertag eine heiße Tasse Kakao zu trinken, das wissen wir, glaube ich, alle.


Sonntag, 23. September 2012

Herbst


Endlich ist er da: Der Herbst!
Ich habe so lange auf ihn gewartet. Aber jetzt ist es so weit. 
Das Wetter kühlt sich langsam ab. Die Sonne geht wieder später auf und früher unter. Die Blätter an den Bäumen werden zu gold und fliegen davon. 
Jetzt ist es wieder Zeit, die Strumpfhosen, Handschuhe, Schals und Boots aus dem Schrank zu holen.

Und diesen Herbst will ich nicht wieder so erfrieren, wie den letzten. Ich rüste mich schon mal vor, indem ich fleißig Weihnachtsgebäck nasche. Ich bin wirklich so verrückt danach. Ich glaube, im Moment hole ich das, was ich letztes Jahr verpasst habe, alles nach. Lebkuchenherzen, Spekulatiuskekse, Stollen, Baumkuchen... 
Nachdem ich Freitagnacht mit meinen Azubis erst beim Discobowling und danach noch in einer Disco war, habe ich mir gestern mal einen richtig gemütlichen Herbsttag gemacht.
Ich hab mir bei Kerzenschein meinen Lieblingsweihnachtsfilm "Das Wunder von Manhattan" angesehen und dazu Marzipantee getrunken und Weihnachtsgebäck gegessen. Am Abend habe ich dann einen langen Herbstspaziergang durch Wald und Feld gemacht und Tannenzapfen und Herbstblätter als Deko für mein Zimmer gesammelt. Ich war fast zwei Stunden unterwegs. Und zum Abendbrot habe ich dann meine leckere Kürbis-Ingwer-Suppe genossen.
Ich freue mich schon richtig darauf, wenn die ersten Hasel- und Walnüsse von den Bäumen fallen und die Wege mit bunten Herbstblättern bedeckt sind. Dann hat man wieder eine richtig schöne Kulisse zum Foto machen und Spaziergänge sind auch einfach am allerschönsten im Herbst.
Ich werde die nächste Woche auch mal einen Kürbisquiche backen. Ich liebe Quiches, und so ein schöner Herbst-Quiche ist doch jetzt genau das richtige.
Letzte Woche habe ich erst zusammen mit einer Freundin wieder Quiche gebacken, mit Champignons. (Die Rezepte findet ihr auch auf meinem Blog!)

Gerade habe ich mir mal alte Bilder vom letzten Herbst angesehen.
So dünn wie ich da war, das ist ja schrecklich. Kein Wunder, dass mir schon im Spätsommer tagsüber immer total kalt war. Dieses Jahr friere ich noch nicht einmal Mitte September so sehr, wie letzten Sommer. Das Bild vor der Bowlingbahn war auch letzten Sommer. Da habe ich Vorgestern auf jeden Fall eine bessere Figur vor der Bowlingbahn gemacht! =D
Jetzt möchte ich gerne noch ein paar Fragen beantworten, die ihr mir in euren Kommentaren gestellt habt.

Woran habe ich gemerkt, dass es "Klick" gemacht hat? - Gute Frage! Ich glaube, da gibt es keinen genauen Zeitpunkt, in dem man sich sagt: "So, ab heute bin ich wieder gesund und lasse die Krankheit hinter mir." Die Krankheit verschwindet langsam, nach und nach ein kleines Stück mehr. Genau so, wie sie sich auch ins Leben hinein geschlichen hat. Ich habe halt irgendwann gemerkt, dass ich total unglücklich bin, so wie ich gelebt habe. Ich wollte das alles nicht mehr, das ganze Kalorienzählen, das ewige Einschränken und Abgrenzen, die Angst vorm Wiegen... Ich habe irgendwann zum Glück begriffen, dass das keine Lösung sein kann. Dass ich so nicht weiter machen kann, wenn ich jemals wieder lachen können will.  Also habe ich einen Entschluss getroffen: Die Entscheidung, für mein Leben und gegen die Magersucht zu kämpfen.
Ich merke immer noch, wie die Magersucht in mir immer mehr verschwindet. Es ist ja nun schon ein paar Monate her, als ich beschloss, zu kämpfen. Und von Woche zu Woche ist tatsächlich alles immer leichter gefallen. Und von dem Tag an bis heute habe ich einen wahnsinnigen Weg zurück gelegt. Ich kann viele meiner Gedanken und Überlegungen von damals gar nicht mehr nachvollziehen. Ich glaube, dass man sagen kann, dass es genau so lange braucht, die Magersucht loszuwerden, wie es gedauert hat, bis man tief in ihr drin steckte. Das muss nicht bei allen der Fall sein, aber bei mir kam das so hin.


Wie´s im Moment mit meinem Gewicht aussieht? - Ich habe nach der letzten Gewichtbekanntmachung zwar nicht weiter zugenommen, aber ich bin zumindest nicht mehr unter 53 kg (BMI 18,1) gekommen, was ja schon mal super ist. Aber ich weiß natürlich, dass mein BMI auch damit noch ziemlich niedrig, verglichen mit einer "normalen" Frau, ist. Aber über Weihnachten werde ich vermutlich eh ein bisschen zunehmen, worüber ich mir aber keine große Gedanken mache, denn das kann ja nur von Vorteil sein. Ich will dieses Jahr schließlich nicht wieder jeden Tag weiße, abgestorbene Finger und Zehen haben, weil mein Körper zu schwach dafür ist, diese zu durchbluten.

Ob ich wieder 68 kg wiegen könnte, ohne mich schlecht zu fühlen und zurück in die Krankheit zu rutschen? - Das ist wirklich sehr schwer zu sagen. Ich denke aber, ich werde es so weit gar nicht mehr kommen lassen, denn auch ich hätte Angst, dann wieder in die Krankheit zu rutschen. Ich habe mein Gewicht ja die letzten Monate sehr gut unter Kontrolle gehabt. Damals wog ich ja so viel, weil ich vor der Magersucht immer extrem viel "gefressen" habe. Dazu würde es heute nicht mehr kommen. 

In welcher Klinik ich war? - Ich war auf der Bult in Hannover. Vielleicht ist die ja jemanden bekannt.

Dienstag, 4. September 2012

Erinnerungen

Wenn ich mich jetzt so an die Zeit zurück erinnere, in der ich magersüchtig war, dann kommt es mir so vor, als hätte ich damals in einer völlig anderen Welt gelebt. Als hätte ich nie etwas vom wahren Leben mitbekommen. Nichts von all dem, was um mich herum geschah, völlig versunken in meinem eigenen Universum, mit Gedanken, die ganze Tage und Nächte lang nur um das eine Thema kreisten. Bücher, geschrieben von Magersüchtigen, in denen ich versank. Das Internet, das ich durchbohrte, um mein Wissen um jede Formel zum Abnehmen, jede Diät und jede Kalorienangabe zu erweitern.
Hunger und Ängste, die mich ganze Nächte lang nicht durchschlafen ließen.

Es war eine schreckliche Zeit.


Ein besonders komisches Gefühl ist es, wenn ich am Ort des Geschehens bin. Bei der Klinik, in der ich ein halbes Jahr verbracht habe.

Ich fahre jeden Tag mit der Bahn daran vorbei zur Arbeit.
Und all die Bilder in meinem Kopf, die Erinnerungen an die Menschen dort und an all meine damaligen Gedanken holen mich jedes Mal wieder ein. Jeden Tag.
Als hätte ich meine kaputte Seele dort gelassen, um all die Erinnerungen für mich aufzubewahren und sie mir zu zeigen, wenn ich wieder mal vorbei komme.

Ich muss aber auch sagen, dass ich die Zeit in der Klinik besonders in den letzten Tagen etwas vermisse - oder besser gesagt, mich unglaublich gern daran zurück erinnere, denn zurück dorthin möchte ich auf gar keinen Fall.

Es liegt wohl daran, dass jetzt gerade die Jahreszeit ist, zu der ich damals eingewiesen wurde.
Das war letztes Jahr nach Ende der Sommerferien. Zum Herbstbeginn.
Genau wie jetzt.

Ich weiß noch, wie traurig ich war, dass ich ausgerechnet im Herbst, meiner Lieblingsjahreszeit, in eine Klinik kam. Den Herbst hätte ich doch so gerne Zuhause verbracht. Ein schöner, gemütlicher Herbst mit goldenen Blättern, kuscheligen Filmabenden, Kerzenlicht und den ersten Weihnachtsnaschereien - wenn sich auch die Frage stellt, ob ich es in meiner Lage überhaupt noch soweit gebracht hätte, diese zu essen.

Vor allem aber meinen 18. Geburtstag hätte ich gerne Zuhause gewohnt. Daraus wurde dann ja aber leider auch nichts. Wenigstens durfte ich diesen Tag vom Mittag bis zur Spätmahlzeit Zuhause verbringen, was ich allerdings erst eine halbe Woche vorher erfuhr, was die Planung für diesen Tag äußerst schwierig machte.

Aber ich will ja nicht rumnölen.

Wie gesagt, zur Zeit sind mir all diese Erinnerungen sehr willkommen.
Mein letzter Herbst war wunderschön, auch wenn ich ihn nicht Zuhause verbringen durfte.
Trotzdem war es vielleicht sogar der schönste und intensivste Herbst, den ich bis dahin erlebt habe, denn das Krankenhausgelände schließt an einen riesigen Park an. Eine unglaublich große Wiese mit vielen, vielen Bäumen, die zu dieser Jahreszeit ihr goldenes Kleid fallen lassen haben und damit den ganzen Boden bedeckten. Wunderschön sah das aus, sodass ich fast jeden Tag die 30 Minuten, die mir an Ausgang vergönnt waren, für Herbstspaziergänge in dieser prächtigen Umgebung genutzt habe.

Der Herbst rüttelt auch meine Erinnerungen an dort geschlossene Freundschaften wieder auf.

Auf meiner Station habe ich zwei ganz liebenswerte Mädchen kennen gelernt, die aus dem selben Grund wie ich dort waren, und mit denen ich mich deshalb super unterhalten konnte und mich endlich verstanden gefühlt habe.
Wir haben unseren Ausgang oft zusammen genommen, um die schöne Natur zu genießen und eine Vielzahl an Fotos von uns zu knipsen.
Ich bekomme ja fast Gänsehaut, wenn ich mich an unsere vielen, guten Gespräche von damals zurück erinnere und unsere ganzen Fotos ansehe. Oder wenn ich an unsere Spaziergänge zum nahe liegenden ALDI denke, bei dem wir versucht haben, uns endlich mal wieder was richtig leckeres zum Essen zu kaufen. Wie haben wir letztes Jahr den Baumkuchen von ALDI geliebt!

Ich glaube, das sind so Emotionen, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.

Dieses halbe Jahr war so eine gefühlsintensive Zeit, wie ich sie vorher nie erlebt habe.
Eine Zeit voller Tränen, Ängsten und Depressionen, aber auch voller Freude, Glück und Freundschaften.

Ich bereue es auf jeden Fall nicht, dort gewesen zu sein. Diese Zeit war eine wichtige Erfahrung für mich und ich habe vieles mitnehmen können - vor allem aber Erinnerungen, denn den Weg zurück ins Leben, den habe ich selber gefunden.

Da kann einen Niemand bei helfen, auch wenn man noch so sehr darum bittet.

Diesen Weg kann man nur finden, wenn man selber den Wille in sich trägt, ans Ziel zu gelangen.





P.S. Es gibt ein paar neue Rezepte unter Gesunde Rezepte

Soonthinly