"Nun, und worin genau liegt das Problem? Warum tust du es dann nicht einfach, was hindert dich daran?", fragt sie mich zurück, obwohl sie doch die Antwort kennt. Oder hat sie es vergessen, weshalb ich hier bin?
"Ich habe Angst. Ich würde das ja gerne einmal wieder tun, Muffins backen. Aber das Essen gehört nun mal auch dazu, und da gehen die Vorstellungen von mir und meinen Freunden eben auseinander." Ich schlucke. "Niemand backt doch Muffins, um sie danach nur anzustarren. Es geht doch schon mit dem Teig naschen los. Wissen sie, ein Muffin wäre ja sogar vielleicht okay für mich, aber mehr auch nicht."
"Was hältst du denn davon, wenn du dich mit einer Freundin zum Backen triffst, und hinterher einfach nur einen Muffin isst? Mehr musst du doch auch gar nicht, niemand zwingt dich dazu."
"Meine Freunde würden aber alle mehr als einen essen. Und wenn ich nur einen esse, dann denken sie nachher, dass ich noch immer krank bin. Das will ich nicht, aber zwei Muffins kommen auch nicht in Frage. Also lasse ich es gleich bleiben."
So oder so ähnlich hat sich vor einigen Monaten, nach der Klinik, ein Gespräch zwischen meiner ambulanten Therapeutin und mir ereignet.
Komisch, wie sehr ich mich doch verändert habe.
Im Laufe der Zeit.
Und wieder mal stelle ich Vergleiche auf.
Vergleiche die Vergangenheit mit der Gegenwart.
Und sehe Licht.
Ich habe heute mit einer Freundin Muffins gebacken. Schöne Schoko-Nuss-Muffins, die außen knusprig, innen weich waren. Wir haben 18 Stück oder so gebacken. Ein paar davon haben wir uns auf einen Teller gestellt und mit in ihr Zimmer genommen. Einen Film angemacht und sie dazu gegessen.
Auf einmal war der Teller leer. Das ging so schnell, man hat es fast gar nicht mitbekommen. Also mussten wir nochmal Nachschub holen. Am Ende waren auf einmal nur noch 8 Muffins übrig.
Huch! Haben wir tatsächlich schon über die Hälfte aufgegessen?
Es hat uns nicht gekümmert. Es war eher belustigend.
Schwupps, und weg waren sie!
Dieses Gefühl von Leichtigkeit.
Vom unbekümmert sein.
Ganz sorgenlos.
Es breitet sich in mir aus, wie die Sonne am Himmel, wenn es langsam Frühling wird und die Vögel früh am Morgen beginnen, ihre Lieder zu zwitschern.
Nichts ist mehr so wie damals. Ich bin nicht mehr so wie damals.
Und ich will es auch,
um Himmels Willen,
nie, niemals wieder sein.
.jpg)