Vieles gehört für mich ja mittlerweile schon wieder zum normalen Alltag dazu.
Aber, mir Butter aufs Brot schmieren? Um Gottes Willen, nein!
Davon war lange nicht die Rede.
Wann habe ich das letzte Mal eine schöne Scheibe Brot mit Butter - oder in meinem Fall: Margarine (Butter klingt nur einfach schöner) - drauf gegessen? War es vor zwei Jahren, oder liegt es noch länger zurück?
Jedenfalls war ich gestern im Supermarkt und bin dort an einem Probierstand vorbei gekommen, an dem frische Baguettescheiben mit Butteraufstrich angeboten wurden. Ich habe, ohne zu zögern, zugegriffen. Denn meine Neugier nach dem Geschmack von Butter war einfach zu groß.
Es hätte mich vom Hocker gehauen, hätte ich auf einem gesessen.
So lecker war das.
Und die zweite Scheibe Butterbaguette folgte der ersten.
Ich habe mir daraufhin gleich eine Packung Margarine (rein pflanzlich, von Deli) mitgenommen und heute Abend, leicht gesalzen, auf meine Brote geschmiert.
Nachdem ich also zwei Jahre auf den fettigen Brotaufstrich verzichtet habe, bin ich nun beinahe süchtig danach. Wirklich, es ist unfassbar, wie gut etwas schmeckt, das ich so dermaßen lange hinausgezögert habe, nur, weil es mir zu viele Kalorien hatte.
Ich bin stolz auf mich, wenn ich ehrlich bin. Auch wenn sich das vielleicht blöd anhört. Schließlich habe ich "nur" Butterbrot gegessen. Etwas alltägliches.
Aber für mich waren es immer nur Butterbrote, die ich auf den Tellern Anderer gesehen habe und sie darum beneidet habe, dass sie das können. Mit ihrem Gewissen vereinbaren können.
Jetzt kann ich es selber. Butter- bzw. Margarinebrote mit meinem Gewissen vereinbaren.
Das war eine der letzten Sachen, die sich noch auf meiner "schwarzen Liste" befunden haben.
Schwarze Liste = Liste mit verbotenen Lebensmitteln
Nun kann ich auch hinter das Letzte einen großen Haken machen, denn auf Butterbrote werde ich so schnell nicht wieder verzichten.
Mittwoch, 6. Februar 2013
Freitag, 1. Februar 2013
Die Wahrheit
Die letzten Male, die ich bei meinem Frauenarzt war, musste ich mir immer wieder die folgenden Worte anhören:
"Sie sind viel zu dünn. Das ist nicht gut. Nehmen Sie besser etwas zu."
Gestern war ich wieder dort. Ich hatte mich bereits darauf eingestellt, dass ich die gerade genannten Worte erneut zu Hören bekomme, da konnte ich meinen Ohren auf einmal nicht trauen:
"Sie haben 2, 3 Kilo zugenommen, nicht wahr? Das ist gut. Sie sehen gesünder damit aus."
Ja.
Antworte ich.
Und unterstreiche meine Antwort mit einem leichten Nicken.
Während sich meine Mundwinkel langsam in die Höhe ziehen.
Und mein Mund sich zu einem Lächeln formt.
Ja, ich habe ein bisschen zugenommen. Und es ist in Ordnung, dass Sie das sagen. Ich sehe es als Kompliment an. Denn heute kann ich das. Mich mit Ihnen über diesen Erfolg freuen, während jede normale Frau Ihnen wahrscheinlich eine Backpfeife für diesen Satz verpasst hätte.
Denn, Sie haben zugenommen, hört frau nicht gern.
Aber ich weiß, wie Sie es meinen. Und Sie meinen es gut mit mir.
Danke für Ihre ernst gemeinten Worte. Danke für Ihre Offenheit und danke für die Wahrheit.
Ich kann jetzt damit umgehen.
Mit der Wahrheit.
Und die Wahrheit ist, dass ich losgelassen habe.
Finger für Finger habe ich meine Hand von ihr gelöst.
Der Essstörung.
Bis auch der letzte Finger den Kontakt zu ihr unterbrochen hat.
Und hoffentlich.
Das wünsch ich mir.
Für immer.
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