Ich weiß nicht, ob sich der Post-Titel eventuell widerspricht: Vergangenes gehen lassen, aber ich glaube, es passt ganz gut hierzu.
Und ihr glaubt nicht, wen ich in einem Schuhladen gesehen habe, als ich gerade dabei war, schwarze hübsche Pumps anzuprobieren: Ein kleines Mädchen, das zur selben Zeit wie ich in der Klinik war!
Wir haben einmal zusammen Kochgruppe gehabt. Damals hatte ich schon fast mein Zielgewicht erreicht.
Und sie hat zu mir gesagt, dass ich gar nicht wie eine Anorexie-Patientin aussehen würde - da war es um mich geschehen! Ein riesiger Rückfall war die Folge, und das auch noch über Weihnachten.
Nun gut. Heute sehe ich dieses Mädchen also wieder: Klein, dünn, zerbrechlich und unsicher. Genau so, wie vor 1,5 Jahren. Es hat sich also nichts verändert. Bei ihr hat sich nichts verändert - im Gegensatz zu mir!
Und auf einmal konnte ich nur noch darüber schmunzeln, dass ihre Worte damals so großen Einfluss auf mich genommen haben. Heute bin ich nämlich mehr als froh darüber, dass ich nicht mehr da stehe, wo sie immer noch steht.
Vielleicht tut sie mir ein bisschen Leid, ja.
Aber andererseits, muss ich ganz ehrlich gestehen, habe ich mich heute richtig gut bei dieser Begegnung gefühlt, wo ich doch auf einmal so gesund und selbstbewusst neben ihr aussehe.
Sie hat mich übrigens nicht wieder erkannt, glaube ich. Ein paar mal hat sie zu mir rüber gesehen, aber das hatte vermutlich nichts zu sagen.
Ich habe sie wieder erkannt, aber "Hallo" sagen wollte ich irgendwie nicht. Ich weiß nicht mal mehr ihren Namen.
Schließlich habe ich den Schuhladen wieder verlassen, mit einem neuen Paar Pumps in der Tüte,
meine Vergangenheit und dieses Mädchen hinter mir lassend,
und der Sonne entgegen blickend.
(Die hat nämlich heute geschienen, endlich!)
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