Montag, 25. März 2013

Vergangenes gehen lassen

Ich weiß nicht, ob sich der Post-Titel eventuell widerspricht: Vergangenes gehen lassen, aber ich glaube, es passt ganz gut hierzu. 


... Heute war ich nach einer langen Zeit endlich mal wieder zum Shoppen in der Stadt. Es hat richtig Spaß gemacht, mir mal wieder ein paar tolle, neue Sachen zu kaufen.
Und ihr glaubt nicht, wen ich in einem Schuhladen gesehen habe, als ich gerade dabei war, schwarze hübsche Pumps anzuprobieren: Ein kleines Mädchen, das zur selben Zeit wie ich in der Klinik war!
Wir haben einmal zusammen Kochgruppe gehabt. Damals hatte ich schon fast mein Zielgewicht erreicht.
Und sie hat zu mir gesagt, dass ich gar nicht wie eine Anorexie-Patientin aussehen würde - da war es um mich geschehen! Ein riesiger Rückfall war die Folge, und das auch noch über Weihnachten.

Nun gut. Heute sehe ich dieses Mädchen also wieder: Klein, dünn, zerbrechlich und unsicher. Genau so, wie vor 1,5 Jahren. Es hat sich also nichts verändert. Bei ihr hat sich nichts verändert - im Gegensatz zu mir!
Und auf einmal konnte ich nur noch darüber schmunzeln, dass ihre Worte damals so großen Einfluss auf mich genommen haben. Heute bin ich nämlich mehr als froh darüber, dass ich nicht mehr da stehe, wo sie immer noch steht.
Vielleicht tut sie mir ein bisschen Leid, ja. 
Aber andererseits, muss ich ganz ehrlich gestehen, habe ich mich heute richtig gut bei dieser Begegnung gefühlt, wo ich doch auf einmal so gesund und selbstbewusst neben ihr aussehe.
Sie hat mich übrigens nicht wieder erkannt, glaube ich. Ein paar mal hat sie zu mir rüber gesehen, aber das hatte vermutlich nichts zu sagen.
Ich habe sie wieder erkannt, aber "Hallo" sagen wollte ich irgendwie nicht. Ich weiß nicht mal mehr ihren Namen.

Schließlich habe ich den Schuhladen wieder verlassen, mit einem neuen Paar Pumps in der Tüte, 
meine Vergangenheit und dieses Mädchen hinter mir lassend, 
und der Sonne entgegen blickend. 



(Die hat nämlich heute geschienen, endlich!)

Dienstag, 19. März 2013

Gebt euch eine Chance!

Heute habe ich Zeit. Nehme sie mir.
Lese ein bisschen auf euren Blogs.
Und was lese ich da?

Kalorien. Kalorien! KALORIEN!
Gewicht. Gewicht! GEWICHT!
Fett. Fett! FETT!
Hass. Hass! HASS!
Essen. Essen! ESSEN!
Abnehmen. Abnehmen! ABNEHMEN!
Kotzen. Kotzen! KOTZEN!

Ihr Lieben, 
merkt ihr es denn nicht?

Merkt ihr nicht, wie ihr euer Leben damit kaputt macht?
Merkt ihr nicht, wie nicht nur euer Körper, sondern auch eure Lebenslust abnimmt?
Und merkt ihr nicht, dass es immer schwieriger wird, diesem Teufelskreis wieder zu entfliehen?

Mädels, jetzt macht doch mal die Augen auf!
Für wen tut ihr das denn alles?
Für wen hungert ihr Stunden, Tage, wochenlang?
Für wen wollt ihr so dünn sein?
Für eure Freunde? Für eure Familie?
Bestimmt nicht.

Aber, dann bleiben ja nicht mehr viele.
Ihr tut das für euch?

Das hier soll nicht wie ein Vorwurf klingen. Ich kenne die Situation, in der ihr euch befindet. Ich kenne die Gefühle, die ihr habt. Kenne all das nur zu gut.
Ich weiß auch, dass es schwierig ist, loszulassen. Ja, überhaupt es erstmal einzusehen, dass man krank ist, Hilfe braucht, ist schwer. 
Wer ist schon gerne krank?

Aber wenn ihr es nicht einseht, wenn ihr euch keine Hilfe holt und wenn ihr nie lernt, loszulassen.
Dann bleibt ihr krank.

Wollt ihr das? Euer Leben auf der Waage verbringen? Euer Leben weghungern? Euch selber auslöschen?
Das kann doch nicht euer Ernst sein.
Wirklich. So etwas will niemand.

Also öffnet eure Augen und blickt der Wahrheit ins Gesicht.
Hört endlich auf, euch länger etwas vorzulügen.
Das Leben wird nicht schöner, umso dünner man wird.
Das habt ihr euch nur eingeredet.
Ich sag euch mal was: Das Leben kann wirklich schön sein. Ihr könnt es euch schöner werden lassen.
Aber das funktioniert nicht, indem ihr nichts esst. Wie soll das denn auch gehen?

Das Leben ist schön, wenn man sich nicht selber einsperrt - sondern sich befreit.
Das Leben ist schön, wenn man sich nichts vormacht - sondern sich liebt, so wie man ist.
Das Leben ist schön, wenn man aufhört, sich zu kontrollieren - und anfängt zu genießen, Dinge zuzulassen.

Ihr Lieben,
das müsst ihr doch verstehen.
Das müsst ihr doch zumindest versuchen zu verstehen.
Gebt euch eine Chance! 
Und nicht eurer Essstörung.

Dafür braucht man eine Menge Mut. Man braucht eine Menge Kraft und man braucht einen starken Willen. 
Aber ist es das nicht wert, sich diese Eigenschaften zu erkämpfen, wenn man sich dafür das Leben kaufen kann?




Denkt mal darüber nach.


xxx Soonthinly

Sonntag, 10. März 2013

Frühjahrsputz

400 Leser - Wahnsinn!
Ich möchte mich bei euch allen bedanken, dass ihr immer so fleißig meinen Blog lest und kommentiert. Ohne euch wäre mein Blog nicht das, was er ist. Danke!

Den freien Tag habe ich heute mal dafür genutzt, um ein bisschen "klar Schiff" zu machen.
In den letzten Jahren, oder eher Jahrzehnten, hat sich so unglaublich viel Kram in meinem Zimmer angesammelt, und das alles hat so viel Platz eingenommen. Ich bin von gestern bis heute damit beschäftigt gewesen, mal wirklich in JEDER Ecke sauber zu machen und alles Unnötige auszumisten. Die ganzen Mappen von den letzten 12 Schuljahren, unnötiger Kleinkram, alte Hefte, Bücher und CDs und und und...
Das alles habe ich in den letzten Jahre nicht mehr gebraucht, und das wird wohl auch in den folgenden der Fall sein. Also: Weg damit!!!
Das Ergebnis: 3 Tüten voll mit Müll und 5 nun leere Schubladen/Fächer 
So lange wie heute.
Habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht geputzt.

Aber es befreit irgendwie die Seele, mal aussortiert zu haben, hab ich so das Gefühl. Ich bin jetzt wirklich erleichtert, dass ich das hinter mir habe und dafür nun zufrieden mein wundervolles, sauberes Zimmer genießen kann.

Ich habe diesen Post Frühjahrsputz genannt, dabei kommt beim Blick aus dem Fenster so das Gefühl auf, dass noch ganz und gar nicht an Frühling zu denken ist. Überall ist es wieder weiß vom Schnee - Wo ist das schöne Wetter hin, das wir letzte Woche hatten?
Ich kann es wirklich nicht mehr abwarten, dass es endlich wieder Frühling wird! Der Frühling ist neben dem Herbst meine absolute Lieblingsjahreszeit: Man wird am Morgen von dem Zwitschern der Vögel geweckt, blickt der Sonne entgegen, wenn man die Jalousie hochrollt und wird beim Gang aus dem Haus von einem Schwall Wärme überflutet, herrlich! 
Und genau darauf warte ich jetzt. 
Vielleicht haben wir Glück, und es gibt nur noch die nächste Woche dieses Mistwetter.
Ganz vielleicht begrüßt uns in der nächsten dann schon der Frühling.

Ja, das wär doch mal was!


xxx Soonthinly

Dienstag, 5. März 2013

Frühlingslauf

Der Wind rauscht an meinen Ohren vorbei, während ich laufe und laufe.
Weht durch meine Haare. Länger und voller sind sie geworden, endlich.
Ich setze einen Fuß vor den anderen, renne und renne.
Aus dem Augenwinkel sehne ich die Äste und Blätter der Bäume, neben denen ich her laufe.
Wie lange ist es her? 
Dass ich mich so lebendig gefühlt habe.
Während ich renne, breite ich meine Arme aus und fühle mich einen Augenblick lang wie ein Vogel.
Wie ein Vogel, der durch die Lüfte fliegt. 
Unbeschwert. Frei.
Und dabei lächele ich. Denn so einen Spaß hatte ich lange nicht mehr am Laufen.

Es ist toll, wie es sich anfühlt zu laufen, wenn man auf einmal so voller Energie steckt. 
Früher. 
Habe ich mich immer wieder angespornt: "Los jetzt, du fettes Monster! Renn! Renn endlich!" "Hör auf, langsamer zu werden, du darfst jetzt nicht schlapp machen! RENN!"
Ja, mit aller letzter Kraft bin ich dann gerannt. Meine letzte Energie habe ich dafür verschwendet. Nur, um noch mehr Kalorien zu verbrennen. 
Und kippe ich auch um vor Erschöpfung, egal. Ich muss laufen. Laufen und laufen. Denn wenn ich nicht laufe, dann bin ich ein Feigling. Dann habe ich versagt. Und werde womöglich auch noch dick davon.
Aber heute.
Da laufe ich, weil es mir Spaß macht. Es muss auch gar nicht jeden Tag sein. Nicht jede Woche. So viel Zeit habe ich gar nicht.
Aber wenn mich mal die Lust packt, zu laufen, dann laufe ich auch.
So wie heute. An diesem wunderbaren, sonnigen Tag.
Und es muss auch gar nicht immer die große Runde sein. Es genügt doch vollkommen, meine Beine ein wenig auszulasten und aufzuhören, wenn es halt reicht.
Und zur Not. Zur Not gehe ich auch das letzte Stück. Ich muss nicht immer bis ganz zum Ende rennen.

Ach, ich bin so froh, dass ich Sport wieder als Freude ansehen kann. Und das sollte man auch.
Sport ist nicht dazu da, um sich zu quälen. Kaputt zu machen.
Mich befreit Sport. Wenn ich meine kleine Runde nach der Arbeit joggen gehe, dann wird mein Kopf frei.
Dann kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen. Abschalten. 
Ein kleines bisschen Zeit, nur für mich allein.
Die frische Luft tief einatmen.
Ausatmen.

Und danach erschöpft, aber zufrieden, auf mein Bett fallen. Entspannen. 
Mit dem Wissen, etwas Gutes für mich getan zu haben.
Und dann gemütlich den Abend ausklingen lassen.
An diesem wunderschönen Frühlingstag.




xxx Soonthinly