Montag, 20. August 2012

Lebenswert

Ich glaube, es wird Zeit, dass ich mal wieder ein paar Worte von mir gebe.
Habe ja lange keinen Post mehr geschrieben, was daran liegt, dass ich jetzt wegen meiner Ausbildung immer erst um 17:30 Zuhause bin. 

Mein Gewicht bewegt sich nun endlich immer mehr in eine gesunde Richtung. Heute morgen waren es 53,4 kg, glaube ich. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, weil ich mein Gewicht nicht mehr notiere und es mir auch nicht unbedingt jedes Mal merken will. Das ist ein BMI von, Moment... fast 18,3. Na bitte, es geht doch aufwärts. Ich bekomme es hin. 
Ich muss zwar schon zugeben, dass mich das Ergebnis der Waage heute Morgen etwas erschüttert hat, weil ich einfach so ewig lange schon nicht mehr über 53 kg gekommen bin, und schon gar nicht mit eigener Absicht. Nur in der Klinik, aber dort wurde ich ja dazu gezwungen. Dieses Mal war es aus eigener Kraft. Wobei manchmal der Gedanke bei mir auftaucht, ob die Kraft vielleicht auch eine Schwäche sein könnte. Ich bin vielleicht zu gierig. Ich bin immer nur am Essen, weil ich nicht mehr so leicht nein sagen kann, wie während der Krankheit. So kommt es dazu, dass ich an manchen Tagen einfach hin und wieder mal einen Schlussstrich setze. Mir mal etwas weniger als sonst gönne und strenger darauf achte, dass ich nur gesundes esse.

Aber diese Gedanken muss ich mir ganz schnell wieder abgewöhnen.
Ich will das nicht mehr. Diese Kontrolle, den Hunger, das Leid, die Traurigkeit und das Alleinsein.
Denn so, wie ich in den letzten Wochen gelebt habe, gefällt mir mein Leben viel, viel besser. Und diese scheiß Krankheit ist es einfach nicht wert, das alles dafür aufzugeben.
Ich erinnere mich noch an einen Spaziergang mit meinem Vater zu Beginn meines Klinikaufenthaltes, bei dem er mich fragte, wie viel Prozent die gesunde Stimme in meinem Kopf ausmachen würde. Da war meine Antwort, so weit ich mich erinnere, dass 4% von mir gesund sein wollen.
Oje, der Spieß hat sich gedreht, aber sowas von!
Nicht mal mehr einen Prozent würde ich der kranken Seite jetzt noch vergönnen! Nicht einmal einen halben.

Es ist so schön, Sonntag Morgens mit Mama wieder Knack&Back Croissants mit Nutella zu essen, in der Mittagspause mit meinen Azubis einen Abstecher zum Bäcker zu machen, und Abends mit Freuden auf dem Maschseefest 2 Tüten Schmalzkuchen hintereinander zu essen.

Und genau dafür werde ich so weiter machen wie bisher. Werde weiter kämpfen und niemals aufgeben.
Denn mein Leben ist mir inzwischen wieder viel zu viel wert geworden, um es noch ein zweites Mal wegzuwerfen.




Montag, 30. Juli 2012

Letzte Therapiestunde

Ich glaube, es ist keine Lüge, wenn ich jetzt sage, dass ich wirklich viel geschafft habe in den letzten Wochen.
Ausbildungsplatz bekommen, Führerschein bestanden, Magersucht weitestgehend besiegt.
Ja, und heute kommt noch etwas dazu: Ich gehe nacher nämlich zum letzten Mal zu meiner ambulanten Therapeutin. Wir beide sind uns einig, dass ich weitere Therapiesitzungen nicht nötig habe und jetzt bestens allein zurecht kommen werde.
Außerdem habe ich wegen der Ausbildung jetzt sowieso keine Zeit mehr für Therapie.
Gestern Abend hatte ich außerdem ein Kennenlern-Treffen mit meinen Mit-Azubis. Die waren echt nett und ich freue mich jetzt auf unsere gemeinsame Zeit. Wir haben uns übrigens beim Chinesen getroffen und vom Buffet gegessen. Und da habe ich wieder einmal gemerkt, wie viel entspannter ich inzwischen vor anderen essen kann. Ich habe mir noch 3 mal nachgeholt und dabei nicht einmal gedacht Oh Gott, was denken die denn jetzt von mir? Die müssen mich ja für verfressen halten. 
Mir doch egal, was die gedacht haben. Ich will nicht mehr als magersüchtig gelten. Das ist jetzt Vergangenheit. Außerdem haben die genau so oft nachgenommen. Ist ja auch völlig normal. Ich bezahle doch kein Buffet, wenn ich mir davon nur ne kleine Gemüsesuppe gönne.

In den letzten Tagen habe ich auch immer mehr positive Entwicklungen an mir festgestellt. 
Meine Haare sind wieder viel dicker und kräftiger geworden, das ist auch schon vielen Bekannten aufgefallen, und nach dem Kämmen finde ich kaum noch Haare in meiner Bürste - Zu Magersuchtszeiten war nach jedem Kämmen ein riesen Haarbüschel in der Bürste, der meine ganze Hand ausgefüllt hat.
Meine Finger und Zehen werden auch nicht mehr kreidebleich und fühlen sich an wie abgestorben, wenn es einmal zu kalt draußen ist - und generell friere ich viel weniger als damals.
Ich bin wieder viel fitter. Gehe mittlerweile wieder 1 mal in der Woche joggen, ohne dabei das Gefühl zu haben, jeden Moment zusammen zu brechen. Und unternehmungslustiger bin ich geworden. 
Bin viel entspannter, nicht mehr so schnell gereizt, gar nicht mehr depressiv, so wie damals.
Und ich schlafe nicht mehr jeden Abend um 20 Uhr ein, weil ich so erschöpft bin von den Anstrengungen des Tages. Manchmal bin ich jetzt noch um 1 Uhr hellwach.
Mit meiner Figur bin ich übrigens auch nicht mehr unzufrieden. Ich stehe nicht mehr so wie damals stundenlang vor dem Spiegel und suche nach vermeintlichen Fettzellen an meinem Körper, die ich noch wegtrainieren muss. Ich richte meinen Blick jetzt auf das, was ich an mir mag.

Das einzige, was mir noch Sorgen bereitet, ist meine Periode. Hab sie nun schon seit März 2011 nicht mehr - Um Himmels Willen, das sind ganze 16 Monate! Komisch, komisch, denn ich esse wirklich gut!
Mein Gewicht ist zwar noch leicht im untergewichtigen Bereich und hat sich knapp unter BMI 18 eingependelt, aber ich bin seit knappen 2 Monaten echt wieder fleißig am Futtern. Ich mache mir langsam echt Sorgen deswegen. 
Wie war oder ist das denn bei euch gewesen? Wie lange hat es gedauert, bis eure Periode wieder kam?
Sorry für die blöde Frage, aber das interessiert mich echt mal.
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Anbei:
Wow! Schon über 300 Leser - Womit habe ich das nur verdient? ;-)
Danke dafür! 



Freitag, 20. Juli 2012

Erreichte Ziele

x Die Magersucht endlich hinter mir gelassen.
x Diese Woche eine Zusage für einen Ausbildungsplatz bekommen.
x Heute meine Fahrprüfung bestanden und jetzt im Besitz eines Führerscheins.

Ich habe sie alle erreicht, die 3 großen Ziele, die ich mir gesetzt habe.
Jetzt geht es wieder bergauf in meinem Leben.
Jetzt kann ich wieder lachen und glücklich sein.
Jetzt habe ich wieder einen Grund, mich auf die Zukunft zu freuen.

Hach, das Leben kann so schön sein!


Sonntag, 15. Juli 2012

Positive Wendungen

Irgendwann habe ich mal damit aufgehört, alles, was ich esse, in meinem Block zu notieren.
Dieser Schritt hört sich vielleicht klein an, er war aber der Anfang von etwas weitaus Größerem.
Irgendwann habe ich versucht, nicht mehr jede einzelne Kalorie, die ich zu mir nehme, in meinem Gedächtnis abzuspeichern. Ich habe es so lange versucht, Wochen, und Monate, bis es mir gelungen ist, diese Gedanken beim Essen vollends abzuschalten.
Ich habe auch irgendwann beschlossen, mich nicht mehr jeden Tag zu wiegen. Erst wurde daraus jeden zweiten Tag, dann 2 mal die Woche, bald darauf nur noch 1 mal die Woche. Mittlerweile halte ich es nicht mehr für nötig, andauernd mein Körpergewicht zu kontrollieren. Es ist nicht mehr das Wichtigste für mich. Ich stelle mich lediglich nur noch alle 2 Wochen mal auf die Waage, um zu überprüfen, dass ich mich auch wirklich auf einem guten Weg zurück ins Leben befinde, und nicht wieder an Gewicht verliere.
Irgendwann war es auch nicht mehr wichtig für mich, nach jedem Wiegen meinen aktuellen und total genauen BMI mit zwei Nachkommastellen zu ermitteln und mir diesen bis zum nächsten Wiegen zu merken.
Mittlerweile ist es nur noch wichtig für mich zu wissen, dass ich dem untergewichtigen Bereich immer mehr den Rücken zukehre und bald Hallo sagen kann zu einem Körper im normalen Gewichtsbereich. Ich will nicht länger den Körper eines Magermodels haben, nicht mehr länger dünner als alle anderen sein und mir einreden, dass mich das zu etwas Besonderen macht.
Vorbei sind die Zeiten, in denen ich jeden Tag die selben Mengen esse, immer zu der selben Zeit. Morgens Toast, Mittags Gemüse, Nachmittags Toast, Abends Schwarzbrot - Ich habe mich von diesen festen Strukturen verabschiedet.
Ich interessiere mich nicht mehr für Bücher, in denen es um Magersucht geht, die ich einst noch regelrecht verschlungen habe.
Ich interessiere mich nicht mehr dafür, welches Obst, welches Gemüse und welches Brot auf dem Markt die wenigsten Kalorien haben.
Es ist mir egal, dass ich inzwischen nicht mal mehr weiß, wie viel Gramm mein Frischkäse- und wie viel der Marmeladenaufstrich auf meinem Toast wiegen. Es interessiert mich auch nicht mehr, wie viele Milliliter Milch ich Morgens zum Frühstück trinke.

Ich habe mich mal lockerer gemacht, habe mich von den Fesseln der Kontrolle losgerissen, neuen Lebensmut geschöpft und damit angefangen, das Glück wieder zuzulassen.
Die Zeiten, in denen ich eine Wärmflasche zum Einschlafen brauche, weil ich sonst fürchte, zu erfrieren, sind vorbei. Ich muss meine eiskalten Hände nicht mehr von meinem Körper fernhalten, um nicht noch mehr einzufrieren. Seit dem ich wieder einen normalen Lebensrhythmus habe und vernünftig esse, habe ich gemerkt, dass ich gar nicht mehr so häufig friere, wie noch vor wenigen Wochen. Mit jeden Tag fließt der Strom des Lebens mehr durch meine Adern und befreit meinen Körper immer mehr von dem Eisblock, der ihn einst umgab.
Ich denke nicht mehr nur pausenlos an Essen. Essen, das ich gerne essen würde, es aber nicht kann, weil ich es mir nicht erlaube. Mein Körper schreit nicht mehr länger nur nach Essen, weil er jede Minute, jede Sekunde dabei ist, zu verhungern.
Mein Körper ist jetzt satt. Er bekommt in regelmäßigen Abständen Nahrung zugeführt. Ihm geht es gut und er muss nicht länger mit meinem Kopf einen Kampf um das Essen führen.
Ich werfe Magersüchtigen Mädchen, die meine Wege kreuzen, keine neidischen Blicke mehr hinterher. Ich denke nicht mehr länger, Ich will so sein wie du.
Viel größer als der Neid ist nun der Stolz auf mich selber, weil ich nämlich wahre Stärke bewiesen habe, in dem ich für das Leben gekämpft habe und nicht mehr länger nur die Magersüchtige sein will.

Inzwischen bin ich sogar davon überzeugt, dass ich nie wieder einen Rückfall erleiden will. Dass ich es einfach nicht mehr nötig habe, zurück in die Welt des Nicht-Essens zu kehren. Ich bin nun wieder stabil genug. Stehe mit beiden Beinen im Leben. Ich habe es nicht mehr nötig, mich in Gewichtskontrollen zu flüchten.

Die Magersucht bestimmt von Tag zu Tag weniger mein Leben, und inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis sie ganz aus meinem Leben verblasst ist. Es gibt noch klitzekleine Momente, in denen ich spüre, dass sie mich noch nicht vollends verlassen hat, aber diese Augenblicke sind kaum einer Nennung wert und ich weiß, dass ich nicht mehr weit davon entfernt bin, das Ziel meiner langen Reise zu erreichen.

Ich habe angefangen mit kleinen Schritten, war erst unsicher, in welche Richtung ich gehen soll. Bin ab und zu auf meinem langen Weg gestolpert, aber immer wieder aufgestanden.
War zu Beginn noch oft entmutigt, weiter zu gehen, doch mit der Zeit hat sich all meine Mühe immer mehr bezahlt gemacht und jetzt weiß ich, dass es keine falsche Entscheidung war, diesen Weg zurück zu legen. Ich weiß es, weil ich mich besser fühle als in den gesamten letzten zwei Jahren. Weil ich wieder Lachen kann, und zwar von Herzen. Weil ich wieder mehr unter Menschen gehe.
Einfach, weil sich mein Leben jetzt wieder lebenswert anfühlt.


Ich hoffe, ich konnte die eine oder andere von euch, die noch am zögern ist und nicht weiß, welchen Weg sie einschlagen soll, dazu ermutigen, sich für die einzig richtige Richtung zu entscheiden: Den Weg zurück ins Leben. Denn es lohnt sich wirklich, und das sage ich nicht einfach nur so, weil ich weiß, wovon ich hier rede. Aber mehr, als euch Mut zuzusprechen, kann ich nicht. Letztendlich liegt es an euch, für welche Seite ihr euch entscheidet. Wollt ihr euer Leben lang weiter Kalorien zählen und in eurer Welt ohne Essen versinken, oder wollt ihr endlich euer Leben zurück gewinnen und am eigenen Leibe spüren, wie das nochmal war, glücklich zu sein? Das Gefühl, von dem euch nichts mehr als eine verblasste Erinnerung geblieben ist, weil das einzige, betrügerische Glück, das ihr noch kennt, das ist, wenn die Zahl auf der Waage sinkt.

Ich wünsche es jeder von euch, dass sie genug Mut und Kraft findet, um sich auf die Reise zu machen und das Experiment zu wagen, wieder gesund zu werden. Ich wünsche es wirklich jedem von ganzen Herzen, denn ich weiß jetzt wieder, wie schön das Leben sein kann.
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Außerdem habe ich die Seite Gesunde Rezepte heute um 3 Köstlichkeiten für euch erweitert: Vegane Schoko-Muffins, Vegane Müsli-Cookies und Vegetarisches Schnitzel mit Champignonsauce!
Nachsehen und nachkochen bzw. -backen lohnt sich! ;-)

Dienstag, 10. Juli 2012

Zurückdenken

Manchmal frage ich mich wirklich, was mich damals dazu getrieben hat, mir so viel kaputt zu machen in meinem Leben. 
Wie dumm war ich, wie naiv, als ich damit anfing, eine Diät nach der anderen zu führen.
Wieso habe ich mich immer tiefer in die Magersucht gestürzt und nicht gemerkt, was ich mir damit antue?
Mehr als ein Jahr meines Lebens, das nicht lebenswert war. Das ich damit verbracht habe, alleine in meinem Zimmer zu sitzen, nach Kalorienangaben zu recherchieren, mein Essen abzuwiegen, Diätpläne aufzustellen, mich völlig von der Außenwelt abzukapseln, Freundschaften zu vernachlässigen, Verabredungen abzusagen - Nur weil ich Angst davor hatte, dass man mir was zu essen andrehen könnte. Angst. Jeden Tag hatte ich panische Angst vor Dingen, die vollkommen unreal sind. Meine Fantasie hat mir grausame Streiche gespielt. 

-Nur ein Knäckebrot mehr könnte schon zu viel sein, und meine neue Hose in Größe 32 wird mir morgen nicht mehr passen. 
-Wenn ich mehr als 300 Kalorien am Tag essen, dann nehme ich bestimmt zu.
-Ich habe so einen Hunger, ob ich wohl noch eine Möhre essen sollte? Nein! Eine Möhre mehr würde meine Tagesbilanz an Kalorien zu sehr in die Höhe treiben!
-Ich sollte nicht zu viel von der Cola Light trinken, 1 Liter davon hat schon Kalorien! 
-Bevor ich Tee kaufe, sollte ich auch lieber auf die Nährwerttabelle achten, denn es gibt Tees, die haben pro Beutel 7 Kalorien, das kann ich mir nicht erlauben.
-Wenn ich heute über 500 Kalorien komme, dann muss ich nacher noch 1 Stunde joggen gehen!

Wie, um Himmels Willen, sind denn diese irrationalen Gedanken damals in meinen Kopf gekommen?
Oh man, ich bin zu dieser Zeit so dermaßen in mir selbst versunken, dass ich gar nicht mehr gemerkt habe, was überhaupt noch normal ist. Ich hatte ja absolut null Bezug mehr zur Realität.
Ich glaube, die eben aufgezählten Gedanken sind recht typisch für Jemanden mit Magersucht. Wenn man sich mit nichts anderem mehr als mit Essen und Abnehmen beschäftigt, dann gerät man wohl in so einen irren Gedankenstrudel.
Es war die Hölle.
Ich war mir selbst eine Sperre zur Außenwelt. Nichts war mehr möglich. Ich habe quasi gar nicht mehr gelebt.

Hinzu kommen die körperlichen Schäden. Menstruationsstörung, Müdigkeit, Schwäche, niedriger Blutdruck, zu tiefer Puls, keine Konzentration, Schwindel und Kreislaufprobleme, Haarausfall, schnell gereizt sein, Depressionen, und, und, und...

Mittlerweile, das wisst ihr ja, bin ich auf dem Weg der Genesung, habe das Ziel quasi fast erreicht.
Ich wollte die letzten Monate nur nochmal kurz und knapp Revue passieren lassen, um sie mit meinem derzeitigen Leben zu vergleichen.
Eigentlich kann ich zur Zeit nicht klagen. Ich habe mir mit aller Kraft mein Leben zurück erkämpft. Habe mir wieder so viel aufgebaut, was mir damals durch die Magersucht verloren gegangen ist, und bin jetzt wieder voll drin im Leben.
Die alten Gedankenmuster sind Vergangenheit. Ich denke nicht mehr jede Stunde, jede Minute nur ans (Nicht-)Essen.
Ich bin auch nicht mehr unzufrieden mit mir selbst. Weder mit meinem Körper, noch mit meiner Persönlichkeit. Ich mag mich im Moment sehr gerne so, wie ich bin, und ich würde mit niemanden mehr tauschen wollen. Ich bin halt ich, und das akzeptiere ich jetzt.
Wenn man sich selber akzeptiert, dann hat man schon mal einen großen Schritt getan.
Ich stehe auch nicht mehr Stunden lang vor dem Spiegel und suche nach vermeintlichen Fettzellen an meinem Körper, dich ich noch abtrainieren muss. Ich suche jetzt nicht mehr nach den schlechten Seiten an mir. Ich halte jetzt Ausschau nach dem Guten. Ich sehe jetzt das an mir, was mir gefällt.
Gehe wieder offener in die Welt, bin spontaner und flexibler geworden. 

Übrigens finde ich dieses ganze Extrem-Dünn-Sein auch gar nicht mehr so attraktiv. Ich glaube, das gehört einfach mit zur Krankheit dazu. Man verliert den Bezug zur Wirklichkeit und entwickelt eine Körperschemastörung. Alles, was dünner ist, als man selbst, wird als Ideal und Vorbild gesehen und angestrebt. Und wenn man es erst einmal erreicht hat, dann reicht auch das nicht mehr, dann will man noch dünner und dünner werden, sucht sich wieder neue Vorbilder.
Freunde, die man damals, als man selber noch "dick" war, um ihre schlanke Figur beneidet hat, findet man auf einmal abartig "fett".
Das ist alles ganz schön traurig, wie viel so eine blöde Krankheit zerstören kann.

Darum gebt nicht auf, kämpft für euer Leben, tut es für euch. Lasst die Krankheit nicht mehr zu, denn ohne sie kann das Leben um so vieles schöner sein!

Soonthinly

Samstag, 7. Juli 2012

Geschafft

Zur Zeit lebe ich unbeschwert, locker, und genieße jeden Tag.
Ich tue Sachen, die vor einigen Wochen oder Monaten noch unvorstellbar für mich waren.
Es macht mich so glücklich, dass ich wieder mehr an meinem eigenen Leben teilnehmen kann.
Gestern Nacht war ich noch bis 1 Uhr mit Freunden in einer Bar. Habe mir einen riesigen, leckeren Pina Colada gekauft und dabei nicht eine einzige Sekunde an die viele Sahne und die Kalorien dadrin gedacht. Habe ihn genossen, ohne einen einzigen Gedanke an mein Gewicht zu verschwenden, ohne einen einzigen Augenblick der Angst. Und das, obwohl ich vorher schon Schmalzkuchen und Pommes gegessen habe. Na und? Warum sollte ich denn darauf verzichten, wenn ich doch Lust dazu habe? Man lebt nur einmal! Und dieses eine Leben soll nicht nur aus Verzicht bestehen.
Heute Mittag gabs für mich ein vegetarisches Jägerschnitzel mit Kroketten - Das war echt lecker!
Nachmittags habe ich das erste Mal seit langer, langer Zeit wieder Schokomuffins gebacken, und zwar vegan! Das war das erste Mal, dass mir mal ein Eiergebäck ohne Eier gelungen ist - Dank des Soja Mehls, das ich mir nun gekauft habe! Rezept poste ich die Tage mal.
Zum Abendbrot auf einem Fest mit meiner Mama vegetarische Falafel-Rollen vom Döner-Mann gegessen, danach schon wieder eine Tüte Schmalzkuchen. (Ihr müsst wissen, ich liebe Schmalzkuchen schon seit meiner Kindheit, und es ist jetzt einfach sowas von schön, dass ich mit so welchen Lebensmitteln kein Problem mehr habe.) Wenn schon mal Stadtfest ist und wir einen Schmalzkuchenstand in der Nähe haben, dann muss ich das auch ausnutzen!
Im Kino dann noch eine Tüte Chips mit Mama geteilt.

Ihr seht, ich habe ganz schön viel geschafft in den letzten Wochen.
Ich habe nie aufgegeben, habe immer weiter gekämpft. Habe Mut bewiesen, mich getraut, gewagt, vieles ausprobiert. Und zu guter Letzt hat mich das Leben dafür belohnt.
Ihr wisst gar nicht, was für ein tolles Gefühl das ist, sich endlich wieder so richtig gesund zu fühlen, unbeschwert zu essen und nicht mehr jeder Magersüchtigen neidische Blicke zuwerfen zu müssen, sondern viel eher bei einem solchen Anblick zu denken "Oh je, die tut mir Leid. Zum Glück habe ich das überwunden.".
Meine Mama hat vorhin zu mir gesagt

"Ich glaube, jetzt hast du es wirklich geschafft."


Dieser Satz - Es ist wie Musik in meinen Ohren.
Wenn sogar meine eigene Mutter mir das ansieht, wenn ich selbst sie davon überzeugt habe, dann muss es wirklich wahr sein. Dann kann ich jetzt stolz auf mich sein. Bin am Ziel meiner langen Reise angekommen. Dann hat sich all mein Kämpfen gelohnt.

Dann, ich bin mir ziemlich sicher, habe ich es jetzt wirklich geschafft. 


Montag, 2. Juli 2012

Raus aus der Gefahrenzone

Hey ihr Lieben,

heute morgen habe ich mich nach 2 Wochen mal wieder gewogen. Rückblick: Vor 2 Wochen hatte ich mein Tiefstgewicht seit der Entlassung, 51,2 kg. Heute morgen waren es erstaunlicherweise 52,3 kg, also knapp über 1 kg habe ich in den letzten 2 Wochen zugenommen.
Wie es mir damit geht? Na ja. Einerseits war ich erleichtert, dass ich wieder über 52 kg bin und nicht noch mehr abgenommen habe, denn sonst würde ich mir langsam echt Gedanken um meine Verdauung machen, ob mein Körper das überhaupt noch kann, Fett speichern und so. Andererseits war ich etwas erschrocken, dass es auf einmal so viel war, was ich zugenommen habe. Aber ich will nun versuchen, das positive zu sehen, um genug Motivation zu haben, um so weiter zu machen.
Ich habe immerhin nach ca. 16 Monaten immer noch nicht wieder meine Regel, das ist wohl schon Zeichen genug dafür, dass ich noch etwas mehr zunehmen sollte.

So, jetzt gleich fahre ich zur Therapie, wie jeden Montag.
Wünsche euch noch einen schönen Tag. :-)