Erfahren, dass ich in die Klinik komme, habe ich es total kurzfristig. Es war der 3. Tag nach den Sommerferien als ich von der Schule kam und meine Mutter mit mitteilte, dass ich meine Sachen packen muss, weil es morgen früh in die Klinik geht. Da war ich erstmal baff, aber auch total erleichtert. Ich habe wirklich Tränen geweint, weil so eine riesengroße Last von mir abgefallen ist, da ich endlich Hilfe bekommen sollte.
Die ersten zwei Wochen lag ich noch auf einer Krankenhausstation zum "aufputschen" - da war ich also erstmal nur zum nicht-bewegen und essen. Danach wurde ein Platz in der Jugendlichenpsychiatrie frei, den ich dann glücklicherweise bekommen habe, denn, ganz ehrlich, viel länger hätte ich es auf dieser ersten Station auch nicht ausgehalten. Dort war es einfach schrecklich langweilig, spätestens dann, als mich meine liebe Zimmernachbarin, mit der ich übrigens auch heute noch gut befreundet bin, verlassen hat, da für sie schon eher ein Platz frei wurde.
In der Klinik hatten wir dann einen festen Tagesablauf. Morgens um 7 aufstehen, 7:30 Frühstück, danach Morgenrunde (alle Patienten berichten über ihr aktuelles Befinden und Tagesablauf), Einzeltherapie, 10:00 2. Frühstück, 12:00 Mittagessen, davor oder danach war man meistens in kreativen Gruppen beschäftigt, z.B. Basteln, Gitarre, "Trau Dich", Theater etc, 15:00 Teezeit, Dienstags und Donnerstags war dann ab 16 bzw. 17 Uhr Besuchszeit bis zum Abendbrot, das um 18:30 stattfand. 20:00 Spätmahlzeit, danach macht man sich dann langsam bettfertig, viele haben im Essraum noch Spiele gespielt o.ä. Freitags war Filmeabend.
Und am Wochenende durften diejenigen, die man schon für so weit hielt, stundenweise oder auch über Nacht, nach Hause. So viel zum alltäglichen Programm.
Das Essen war festgelegt. Man hat einen Wunschkostplan zum ausfüllen bekommen. Morgens standen z.B. Müsli mit Obst, Toast, Brot oder Brötchen zur Auswahl, zum Mittag konnte man zwischen 3 Menüs wählen und teilweise die Beilagen variieren. Abends gab es dann nochmal Brot, Toast und Brötchen, wobei man unter den Aufschnitt, Käse oder vegetarische Pastete noch Frischkäse oder Butter unterschmieren musste. Aber während des 1. Monates durfte ich mein Essen sowieso noch nicht selber zubereiten, da haben das die Betreuer für mich gemacht. Häufig hat das damals zu Streit geführt, weil ich die Aufstriche auf meinem Brot immer viel zu übertrieben fand und einmal habe ich deswegen auch kein Abendbrot gegessen, weil ich den Frischkäse auf meinen zwei Brotscheiben einfach viel zu dick fand und das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren konnte.
Die Therapie, die mir dort gegeben wurde, fand ich ehrlich gesagt nicht so lobenswert. Natürlich hat sie mir in einigen Punkten weiter geholfen, gerade auch mit meiner Familie - denn alle zwei Wochen hatte ich ein Elterngespräch mit Mama oder Papa. Aber für mich selber, gerade im Punkt krank belieben oder gesund werden, bin ich nicht sehr weit gekommen.
Nach meiner Entlassung nach über 6 Monaten Klinik wurde ich Zuhause ja auch schon wieder rückfällig, nahm wieder 5 Kilo ab, fing wieder damit an, alles mögliche zu kontrollieren und so weiter, bis es endlich "Klick" gemacht hat.
Da wurde mir bewusst, dass ich mir mein Leben kaputt machen werde, wenn ich nicht endlich einen Schlussstrich unter meiner Krankheit ziehe. Dass ich, wenn ich nie gesund werde, auch nie wieder glücklich werden kann. Ich hatte irgendwann auch einfach keine Lust mehr, mich jeden Tag aufs neue zu quälen, mit Gedanken, mit Hunger, Kontrolle und Einschränkungen. Jeden Tag alleine Zuhause zu sitzen und im Dunkeln zu weinen, das hielt ich einfach nicht mehr aus.
Und darum habe ich etwas verändert: Ich habe die Krankheit aus meinem Leben verschwinden lassen.
Das hört sich jetzt einfach an, schwupps, und weg war sie. Es war aber alles andere als einfach und kurzweilig. Es hat lange, wirklich lange Zeit gedauert, bis ich endlich so weit war, mich als einigermaßen geheilt zu bezeichnen. Noch heute kommt es hin und wieder vor, dass ich mich bei irgendwas blöden erwische. Beim Kalorienzählen oder dabei, dass ich mich an einem Tag mal wieder auf "Sparflamme" ernähre, weil ich den Tag davor zu viel gegessen habe. Aber das ist selten, und das ist nicht mehr das Zentrum meines Lebens. Ich mache mir keine Gedanken mehr darum, was und wie viel ich essen darf, ich habe keinen Wiegezwang mehr, ich halte mein Gewicht nun schon seit Oktober im normalen Gewichtsbereich und ich finde mich schön dabei. Es kommt gar nicht mehr für mich in Frage, wieder abzunehmen. Ich fände mich dann gar nicht mehr so schön und kann es heute auch nur noch schwer nachvollziehen, wie ich mich damals, mit einem BMI von 16, immer noch zu dick fand. Jetzt habe ich einen BMI von 19, und ich glaube fest daran, dass ich sogar mit 2, 3 Kilos mehr nicht dick und schrecklich aussehen würde.
Ja, es hat sich seit der Klinik und dem "Klick" in meinem Kopf sehr viel bei mir geändert, körperlich sowie psychisch. Und ich bin froh darüber, wobei froh gar kein Ausdruck dafür ist. Mir geht es bestens und ich tue das, wonach ich mich während der Krankheit immer so schrecklich nach gesehnt habe.
Ich lebe.
Jetzt habe ich noch meine Pflichten zu erfüllen: Violetta und "Fuchsfresse" haben mich getaggt, wofür ich mich erstmal recht herzlich bedanken möchte und natürlich direkt mal die Fragen beantworten werde, die mir von den beiden gestellt wurden.
1.Was ist dein Lieblingsbuch? - Splitterfasernackt von Lilly Lindner
2.Ein inspirierender Spruch? - "Es ist schön zu leben, weil leben anfangen ist, immer, in jedem Augenblick."
3.Was würdest du tun, wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest? - Den Tag mit meinen besten Freunden verbringen, ganz viel Zimtkuchen essen und jede Sekunde genießen.
4.Welchen Blog findest du am besten? - Den Blog von Lina Mallon lese ich z.Z. wahnsinnig gerne.
5.Welche Lüge benutzt du am häufigsten? - Ich lüge nicht, nur Notlügen! ;-)
6.Magst du dich? Ja, vor allem jetzt, wo ich wieder gesund bin. :-)
7.Worauf bist du stolz? - Am meisten wohl darauf, dass ich es geschafft habe, die Magersucht zu besiegen.
8.Vermisst du jemanden? - Ich vermisse gerade mehrere Personen. Besonders meine beste Freundin, die gerade als Au Pair in London ist, fehlt mir - aber im April werde ich sie für ein paar Tage dort besuchen!
9. Hast du Vorsätze für's neue Jahr? - Es gibt keinen unpassenden Zeitpunkt für gute Vorsätze, denn die kann man sich immer setzen. Darum gab´s bei mir zum Jahreswechsel nur Sekt. ;-)
10. Wo bist du am liebsten? - Das ist immer situationsbedingt. Mal bei meinen Freunden, mal in meinem kuscheligen Bett, aber auch gerne mal in Kino oder einem netten Café.
11. Bist du lieber allein oder unter Menschen? - Wechselt. Aber unter Menschen fühle ich mich zur Zeit ganz wohl. :-)
1. Wie lautet der Link zu deinem Lieblingsblog? - Schon beantwortet (s. oben).
2. Zu welcher Seite schaust du beim duschen? - Das kommt drauf an, von welcher Seite das Wasser fließt. ;-)
3. Hast du Geschwister? - Nein, aber drei Stiefgeschwister - davon 2 Schwestern und 1 Bruder.
4. Nenne den Namen deines Lieblingsbuches und beschreibe es in wenigen Sätzen? Splitterfasernackt (s. oben): Lilly Lindner wurde mit sechs Jahren vergewaltigt, beginnt mit Selbstverletzung, lässt "Ana" und "Mia" in ihr Leben eindringen und prostituiert sich. Ein wahnsinnig gut geschriebenes Buch, das ich nur in den allerhöchsten Tönen loben kann. Diese Frau versteht es, aus Worten Sätze zu formen und mit diesen zu verzaubern. Das, was sie in ihrem Buch geschrieben hat, ist Kunst für mich.
5. Wie lautet dein (realistischer) Wunschberuf? - Redakteurin oder etwas ähnliches. Auf jedem Fall was mit Schreiben und am liebsten in einem Verlag.
6. Bist/Warst du schon einmal 'pro-ana'? - Von ProAna halte ich nicht viel. Ich war krank, essgestört, magersüchtig, anorektisch - aber ich war nie "ana".
7. 3 Dinge, die dein Leben glücklicher machen könnten. - Eine feste Beziehung, eine eigene Wohnung und ein Kind. Aber alles mit der Zeit... ;-)
8. Hörst du gerne Chartsmusik oder hast du einen besonderen Musikgeschmack? - Ich höre gerne die Musik von Birdy, Gabrielle Aplin, The XX und Sarah Jaffe.
9. Wenn es ein Duschgel gegen Depressionen gebe, würdest du es benutzen? - Nein, denn das würde bei mir wohl kaum noch Wirkung zeigen.
10. Welche Farbe kommt heraus, wenn man Angst und Mut mischt? - Vielleicht dunkelblau? Diese Farbe schreit irgendwie nach Abenteuerlust.
2. Zu welcher Seite schaust du beim duschen? - Das kommt drauf an, von welcher Seite das Wasser fließt. ;-)
3. Hast du Geschwister? - Nein, aber drei Stiefgeschwister - davon 2 Schwestern und 1 Bruder.
4. Nenne den Namen deines Lieblingsbuches und beschreibe es in wenigen Sätzen? Splitterfasernackt (s. oben): Lilly Lindner wurde mit sechs Jahren vergewaltigt, beginnt mit Selbstverletzung, lässt "Ana" und "Mia" in ihr Leben eindringen und prostituiert sich. Ein wahnsinnig gut geschriebenes Buch, das ich nur in den allerhöchsten Tönen loben kann. Diese Frau versteht es, aus Worten Sätze zu formen und mit diesen zu verzaubern. Das, was sie in ihrem Buch geschrieben hat, ist Kunst für mich.
5. Wie lautet dein (realistischer) Wunschberuf? - Redakteurin oder etwas ähnliches. Auf jedem Fall was mit Schreiben und am liebsten in einem Verlag.
6. Bist/Warst du schon einmal 'pro-ana'? - Von ProAna halte ich nicht viel. Ich war krank, essgestört, magersüchtig, anorektisch - aber ich war nie "ana".
7. 3 Dinge, die dein Leben glücklicher machen könnten. - Eine feste Beziehung, eine eigene Wohnung und ein Kind. Aber alles mit der Zeit... ;-)
8. Hörst du gerne Chartsmusik oder hast du einen besonderen Musikgeschmack? - Ich höre gerne die Musik von Birdy, Gabrielle Aplin, The XX und Sarah Jaffe.
9. Wenn es ein Duschgel gegen Depressionen gebe, würdest du es benutzen? - Nein, denn das würde bei mir wohl kaum noch Wirkung zeigen.
10. Welche Farbe kommt heraus, wenn man Angst und Mut mischt? - Vielleicht dunkelblau? Diese Farbe schreit irgendwie nach Abenteuerlust.
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Danke, dass du das erzählt hast !
AntwortenLöschenIch bin sehr froh, dass du das geschafft hast.
Wie war dass in der Klinik mit Strafen, also gabs da welche? Und in welcher warst du, wenn ich Fragen darf?
Der Ablauf war bei mir in der Klinik ähnlich :)
AntwortenLöschenDu bist SO ein Vorbild, du bist so motivierend. Du bist der Beweis dafür, dass es geht, dass man es schaffen kann. Hattest du nach der Klinik ambulante Therapie?
Alles Liebe :)
Schön, dass du es geschafft hast :-)!
AntwortenLöschenEndlich ein Post, in dem der Klinikaufenthalt objektiv dargestellt wurde.
AntwortenLöschenAuf die Worte "die Klinik hat mich gemästet" etc. wurde verzichtet. Prima.
Ich danke dir :)
Liebste Grüße
Violetta
Toll, dass du's geschafft hast!
AntwortenLöschenIch bin so froh das alles gerade durchgelesen zu haben, weil du mir wirklich unheimlich viel Mut gemacht hast und ich war vorhin schon wieder so hoffnungslos. Jetzt geht es gerade wieder etwas. Du bist für mich ein Vorbild, wirklich, ich bin dir echt dankbar. Vielleicht kann ich es ja doch auch irgendwie schaffen!
AntwortenLöschenLiebe Grüße <3
First of all:
AntwortenLöschenDer Post ist echt eine gute Idee&eine wunderbare Veranschaulichung vor allem, weil du nicht alles schön geredet hast, sondern klar gesagt hast, was dir gefallen und was dir nicht gefallen hat. :)
Danke für deine Worte, jetzt muss ich ein wenig lächeln.
Nein, ja, ich versuche es. Weil irgendwo muss ich einfach immer denken, wie viel das ist was ich esse und dass alle anderen weniger essen, dann komme ich mir wieder dick vor und man sollte meinen Kopf am besten in den Sand stecken. Aber ich versuche es im Moment einfach normal zu essen. Und danke für deine Worte, sie bedeuten mir viel.
Du kannst so stolz auf Dich sein, Süsse! Aber wirklich! *drückdich*
AntwortenLöschenDieser Text ist so schön.
AntwortenLöschenEs ist toll, dass du deine Lebensfreude wieder gefunden hast und den richtigen Weg gegangen bist und auch immer noch gehst. Bleib stark!
http://waaaastedyouth.blogspot.de/
oh ich bin gerade so froh, dass ich deinen beitrag gefunden habe. ich fahre am 20.02. in die klinik und naja habe den weg halt noch vor mir, aber es ist echt schön zu wissen, wie es auch so positiv ausgehen kann und man nicht immer wieder und wieder endlos rückfällig wird und sich selbst zerstört und das leben einfach nur vermasselt.
AntwortenLöschenja, danke für diesen tollen text und deine erfahrungen.
ich hoffe, dass es dir auch weiterhin so gut gehen wird.
alles liebe