...wenn ich mir die Fotos von damals ansehe, bin ich wirklich froh und mehr als erleichtert, dieser Hölle entkommen zu sein.
Da gibt es dieses eine Bild, auf dem ich mit dem Singstar-Mikrofon in der knochigen Hand auf dem Teppich meiner Freundin sitze und mit starrem Blick auf den Fernseher ein Lied mitsinge. Beine und Arme wie Striche, spitze Schultern, blasse Haut, Schlüsselbeinknochen, die nicht mehr zu verstecken sind.
Fand ich das damals wirklich schön? Genau so?
Es erschreckt mich, im Nachhinein, ziemlich heftig, wie viel Energie ich in das Dokumentieren meines verhungernden Körpers gesteckt habe, damals...
Viele, viel zu viele Fotos, auf denen ich schrecklich aussehe. Unglücklich, nicht lebendig... Und viel zu knochig.
War ich etwa stolz darauf, dass ich alles fotografieren musste? Meinen Körper, jedes Mal, wenn er ein paar Kilos verlor?
...
Inzwischen bin ich mit meinem Kopf eine sehr weite Strecke gereist. Ich habe ein Gewicht, das vor 1 oder 2 Jahren undenkbar für mich gewesen wäre. Fast 60 Kilo. Und im Sitzen kommt es vor, dass da ein kleiner Bauch ist, der sich über den Hosenbund wölbt. Na und? Das gehört zu einer Frau dazu, da hat man(n) was zum anpacken.
Ich liebe Essen. So wie damals schon - und ich verzichte nicht mehr darauf. Das macht doch keinen Spaß, ich will mich doch nicht selber quälen. Wenn es da etwas gibt, wonach es mir beliebt, dann schnappe ich zu, haue rein. Ich bin ja nicht auf Diät. Habe doch nichts zu befürchten und ich habe keinen Grund, um auf irgendetwas zu verzichten, wonach mir doch so sehr ist.
Habe Abstand gewonnen. Mich von der Krankheit entfernt. Die Gedanken von damals sind blasse Schleierwolken in den hintersten Tiefen meines Gehirns. Mit der Zeit heilen die Wunden und die grausigen Gedanken. Da gibt es jetzt neue Gedanken. Schöne, positive Gedanken, an Verabredungen mit Freunden, gemeinsame Abende mit meinem Freund, Restaurant- und Café-Besuche und ein bisschen den Luxus zu genießen, sich mal was zu gönnen - sei es nun was zum Anziehen, eine neue coole Tasche oder ein genussvoller Snack um den Moment zu versüßen.
Man lebt nur einmal, warum sollte man in diesem Leben verhungern und es damit zu nichte machen?
Manchmal kommt man auf solche Ideen - erst ist es nur ein kleines Hirngespinst, doch dann entwickelt sich etwas größeres, etwas mächtigeres draus. Es gewinnt an Wichtigkeit - leider an zu viel davon. Wird zum ewigen Thema, jeden Tag, jede Minute. Man wird es nicht mehr los, und das ist nicht gut, macht einen kaputt. Doch es gibt kein Gegenmittel.
Außer sich selbst.
Denn wer etwas will, der wird es erreichen.
Glaubt mir, das ist das einzige Mittel, das man kennen und auf das man vertrauen sollte. Wille kann stärker sein, als man denkt. Kann groß werden, mächtig, danach strebend, großes zu erreichen - der Beweis? Wie hat man es denn geschafft, sich so abzuhungern? ...lag es nicht auch daran, dass der Wille danach so stark war?
Man kann auch umdrehen und in die andere Richtung marschieren. Viele haben es schon vor gemacht, da gibt es nicht nur mich. Ich kenne einige, die konnten es auch, waren willensstark, konnten noch umkehren und sind heute so dankbar und glücklich, diese Entscheidung getroffen zu haben.
Weil sie richtig war.
Heute Abend sitze ich wieder im Wohnzimmer meiner Freundin. Die Wohnung, in der einst das grausame Bild mit dem Singstar-Mikrofon entstand. Heute machen wir einen leckeren Tapasabend mit vielen verschiedenen Kleinigkeiten, die wir gerade eingekauft haben. Ich habe schon jetzt großen Appetit darauf und freue mich auf einen Abend, an dem meine Finger eben nicht knochig sind, an dem ich ganz beherzt zugreifen kann mit gutem Gewissen und an dem ich einfach lache, Spaß habe und genieße, dass ich mein Leben wieder genießen kann.
Da gibt es dieses eine Bild, auf dem ich mit dem Singstar-Mikrofon in der knochigen Hand auf dem Teppich meiner Freundin sitze und mit starrem Blick auf den Fernseher ein Lied mitsinge. Beine und Arme wie Striche, spitze Schultern, blasse Haut, Schlüsselbeinknochen, die nicht mehr zu verstecken sind.
Fand ich das damals wirklich schön? Genau so?
Es erschreckt mich, im Nachhinein, ziemlich heftig, wie viel Energie ich in das Dokumentieren meines verhungernden Körpers gesteckt habe, damals...
Viele, viel zu viele Fotos, auf denen ich schrecklich aussehe. Unglücklich, nicht lebendig... Und viel zu knochig.
War ich etwa stolz darauf, dass ich alles fotografieren musste? Meinen Körper, jedes Mal, wenn er ein paar Kilos verlor?
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Inzwischen bin ich mit meinem Kopf eine sehr weite Strecke gereist. Ich habe ein Gewicht, das vor 1 oder 2 Jahren undenkbar für mich gewesen wäre. Fast 60 Kilo. Und im Sitzen kommt es vor, dass da ein kleiner Bauch ist, der sich über den Hosenbund wölbt. Na und? Das gehört zu einer Frau dazu, da hat man(n) was zum anpacken.
Ich liebe Essen. So wie damals schon - und ich verzichte nicht mehr darauf. Das macht doch keinen Spaß, ich will mich doch nicht selber quälen. Wenn es da etwas gibt, wonach es mir beliebt, dann schnappe ich zu, haue rein. Ich bin ja nicht auf Diät. Habe doch nichts zu befürchten und ich habe keinen Grund, um auf irgendetwas zu verzichten, wonach mir doch so sehr ist.
Habe Abstand gewonnen. Mich von der Krankheit entfernt. Die Gedanken von damals sind blasse Schleierwolken in den hintersten Tiefen meines Gehirns. Mit der Zeit heilen die Wunden und die grausigen Gedanken. Da gibt es jetzt neue Gedanken. Schöne, positive Gedanken, an Verabredungen mit Freunden, gemeinsame Abende mit meinem Freund, Restaurant- und Café-Besuche und ein bisschen den Luxus zu genießen, sich mal was zu gönnen - sei es nun was zum Anziehen, eine neue coole Tasche oder ein genussvoller Snack um den Moment zu versüßen.
Man lebt nur einmal, warum sollte man in diesem Leben verhungern und es damit zu nichte machen?
Manchmal kommt man auf solche Ideen - erst ist es nur ein kleines Hirngespinst, doch dann entwickelt sich etwas größeres, etwas mächtigeres draus. Es gewinnt an Wichtigkeit - leider an zu viel davon. Wird zum ewigen Thema, jeden Tag, jede Minute. Man wird es nicht mehr los, und das ist nicht gut, macht einen kaputt. Doch es gibt kein Gegenmittel.
Außer sich selbst.
Denn wer etwas will, der wird es erreichen.
Glaubt mir, das ist das einzige Mittel, das man kennen und auf das man vertrauen sollte. Wille kann stärker sein, als man denkt. Kann groß werden, mächtig, danach strebend, großes zu erreichen - der Beweis? Wie hat man es denn geschafft, sich so abzuhungern? ...lag es nicht auch daran, dass der Wille danach so stark war?
Man kann auch umdrehen und in die andere Richtung marschieren. Viele haben es schon vor gemacht, da gibt es nicht nur mich. Ich kenne einige, die konnten es auch, waren willensstark, konnten noch umkehren und sind heute so dankbar und glücklich, diese Entscheidung getroffen zu haben.
Weil sie richtig war.
Heute Abend sitze ich wieder im Wohnzimmer meiner Freundin. Die Wohnung, in der einst das grausame Bild mit dem Singstar-Mikrofon entstand. Heute machen wir einen leckeren Tapasabend mit vielen verschiedenen Kleinigkeiten, die wir gerade eingekauft haben. Ich habe schon jetzt großen Appetit darauf und freue mich auf einen Abend, an dem meine Finger eben nicht knochig sind, an dem ich ganz beherzt zugreifen kann mit gutem Gewissen und an dem ich einfach lache, Spaß habe und genieße, dass ich mein Leben wieder genießen kann.

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